Vom Dialog zum Siegerprojekt

„Bregenz Mitte“ ist nicht nur der Name für ein städtebauliches Jahrhundertprojekt, sondern auch die Bezeichnung für eine Sozialraumanalyse in der Landeshauptstadt, in der die Ausdehnung der Kernzone Richtung See zusätzlichen Wohn- und Lebensraum für 4.000 bis 6.000 Menschen eröffnet. 

Dazu wurde das Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) aus Wien damit beauftragt, die wichtigsten Parameter der Sozialplanung für „Bregenz Mitte“ zu erarbeiten. Dabei geht es um den Entwurf zahlengestützter Szenarien, wie sich die Stadt unter den Vorgaben der oben beschriebenen Urbanisierung in den nächsten fünf bis 20 Jahren demografisch und in ihren sozialen Strukturen entwickeln wird. „Bregenz Mitte“ soll nach seiner Realisierung nicht nur geografisch oder verkehrstechnisch, sondern auch von der Bevölkerungsstruktur her Angel-, Drehpunkt und Bindeglied zwischen den einzelnen Stadtteilen sein.

In erster Linie ging es darum, die für Bregenz richtige Dichte und Körnung sowie Höhenentwicklung in diesem zentralen Innenstadtquartier zu entwerfen. Dabei steht eine angemessen kleinteilige Parzellierung der Stadtbausteine im Vordergrund. Neben der Entwicklung neuer Gebäude und Nutzungsangebote richtet sich der Fokus auf die Schaffung attraktiver und erlebbarer öffentlicher Räume mit einer hohen Aufenthalts- und Verweilqualität sowie auf die Entwicklung neuer Wegebeziehungen.

Die städtebauliche Vertiefung erfolgte im Rahmen eines wettbewerblichen Dialogs mit einem Auftaktkolloquium, an dem ausgewählte Planer:innen und Bregenz-Expert:innen teilnahmen. Begleitend fanden Bürgerforen statt, in denen mit der Bevölkerung diskutiert wurden. Beim finalen Bürgerforum wurden die Ergebnisse zusammengeführt; anschließend wählte die Jury das beste Projekt aus.

Die städtebauliche Vertiefung erfolgte als wettbewerblicher Dialog  mit drei Phasen. Nach der Auslobung und Auswahl der Planungsbüros in einer konstituierenden Sitzung am 28. Juli 2022 wurden vier Planungsbüros mit der Entwurfserstellung beauftragt. Daraufhin wurden in einer zweiten Phase der städtebauliche Wettbewerb im Rahmen eines Auftaktkolloquiums am 7. September 2022 und Zwischenkolloqium am 21. Oktober 2022 mit Zwischenpräsentation und Schlusspräsentation sowie drei öffentlichen Stadtforen durchgeführt. Im Rahmen der Kolloquien trafen sich ausgewählte Planer:innen, Stadtverwalter:innen und Bregenz-Expert:innen, um offene Fragen und Rahmenbedingungen zum Wettbewerb zu klären und das Gebiet und bereits vorhandene Vorstudien miteinander zu sichten und zu diskutieren. Die ersten Entwürfe, die nach diesem Zusammentreffen ausgearbeitet wurden, wurden schließlich mit der Bregenzer Bevölkerung innerhalb der Stadtforen diskutiert.

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Am 4. Juli 2022 wurde um 19 Uhr im Gössersaal das erste Bürgerforum abgehalten. Nach einer Einführung in den Planungsstand und einem historischen Abriss konnten die rund 150 Gäste ihre Ideen und Vorstellungen einbringen. Im Rahmen der öffentlichen Veranstaltung wurden die Grundzüge der Aufgabenstellung vorgestellt und über Mitwirkungsmöglichkeiten informiert. Die Planungsbeteiligten möchten mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen, um über Herausforderungen und Chancen für dieses zukunftsweisende Projekt für Bregenz zu diskutieren. Die Ergebnisse der Diskussionen mit der Bevölkerung fließen in die Aufgabenstellung für den anstehenden internationalen Wettbewerb ein. 

Die Präsentation kann hier abgerufen werden. 
Die Dokumentation des ersten Stadtforums kann hier abgerufen werden.

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Am 21. Oktober 2022 wurde um 19 Uhr im Gössersaal das zweite Bürgerforum abgehalten. Im Rahmen der Veranstaltung fanden sich 100 Interessierte zur Fortsetzung ein. Im zweiten Stadtforum wurden nach der Zwischenpräsentation der internationalen Planungsteams und ihrer Ideen die Anwesenden in Kleingruppen um ihre Meinungen gefragt. Ganz im Sinne der Transparenz legten auch die Stadtplaner:innen, Verkehrsplaner:innen und Landschaftsplaner:innen ihre Überlegungen dar, hörten Kritik, sammelten Meinungen und notierten sich neue Blickwinkel, welche in die weitere Planung einfließen werden.

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Am 19. Dezember 2022 wurde um 19 Uhr im Gössersaal das dritte Bürgerforum abgehalten. Im Rahmen der letzten öffentlichen Veranstaltung wurden die finalen Entwürfe der Planungsbüros präsentiert. Aus den vier Entwürfen, die vorgestellt und mit der Bevölkerung diskutiert wurden, konnte schließlich eine Fachjury ein Projekt auswählen, das als Masterplan für die Ausarbeitung von „Bregenz Mitte“ dienen wird. Für die Vorstellung fanden sich 200 Interessierte ein, um sich die finalen Überlegungen anzuhören und im Anschluss die Pläne mit den zuständigen Stadtentwickler:innen, Verkehrsplaner:innen und Landschafts-planer:innen zu diskutieren.

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Beim finalen Bürgerforum am 19. Dezember 2022 wurde intensiv über die verkehrsorganisatorischen Lösungsansätze diskutiert und darüber, welche Konsequenzen die Entwürfe für die Verkehrssituation in der Stadt mit sich bringen. Denn eines haben alle Planungsteams gemeinsam: Sie sprechen sich überzeugt für die oberirdische Führung der Landesstraße entlang der Bahn aus. Das entspräche nicht nur einem zukunftsorientierten Ansatz, der aufzeigt, wie ein stadtverträglicher Umgang mit der Landesstraße aussehen kann und hohe Qualitäten für den öffentlichen Raum in Bregenz geschaffen werden, sondern lässt zudem auch alle Optionen für eine langfristig mögliche Unterflur-Lösung der Bahn offen. Viele Bürger:innen stellen auch die dringliche Notwendigkeit eines zeitnahen Neubaus des Bahnhofes in den Mittelpunkt. Dies soll der erste Baustein von „Bregenz Mitte“ sein, der realisiert wird.

Am 20. Dezember 2022 tagte die Jury, um das beste Projekt auszuwählen. Nach intensiven Diskussionen und Beratungen sprach man sich mit überzeugender Mehrheit für den Entwurf des Wiener Teams StudioVlayStreeruwitz – bauchplan ).( – con.sens mobilitätsdesign aus. Im Jury-Protokoll heißt es: „Den Verfasser:innen gelingt es, aus ihrer eigenständigen Analyse des Ortes mit dem Thema der Querungen vom Seeufer zum Pfänder einen überzeugenden Entwurfsansatz zu formulieren, der große Zustimmung von Seiten der Bürgerschaft erfahren hat.“

Im nächsten Schritt wir nun auf Basis dieses Entwurfs der städtebauliche Rahmenplan erarbeitet, der die Grundlage für die hoheitlichen Planungen darstellt. Hier liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor der Verwaltung und dem Team. Aber auch diese Planungsphase wird wieder unter Mitwirkung der Bürger:innen ablaufen. 

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