"Knoten" von Wilfried Kofler

Knoten gegen das Vergessen, 1990
Wilfried Kofler
*1949 (Bregenz, AT) – 2017
Eisenguss, Größe zweier Fäuste
Seepromenade Reling, Höhe
Gondelhafen

Motiv ist die in unmittelbarer Nähe 1891 erbaute „Gulaschbrücke“ – ein Fußgängerübergang vom damaligen Bahnhofsgelände zu den Seeanlagen –, die in den 90ern Zentrum einer öffentlichen Diskussion wird. Die Neugestaltung des Bahnhofareals stellt ihr Schicksal in Frage. Stimmen aus der Bevölkerung plädieren für den Erhalt, darunter Gottfried Bechtold und Wilfried Kofler (Verein „Kultur Direkt“). Die Eisenbrücke wird dennoch abgerissen. Im Sinne des Nicht-Vergessen-Werdens schmiedete der Künstler einen Knoten in das Geländer.

In der Ausstellung Beyond Decoration, die derzeit im Magazin 4 zu sehen ist, wird auch auf dieses Kunstwerk Bezug genommen. Zur Vertiefung des Verständnisses der Ausgangssituation stellt Herr Werner Schelling einen ergänzenden Kommentar zur Verfügung.

„Im Text zu Objekt 19 KNOTEN GEGEN DAS VERGESSEN steht u.a.: „Stimmen aus der Bevölkerung plädieren für den Erhalt, … . Die Eisenbrücke wird dennoch abgerissen.“

Das ist die sehr verkürzte Darstellung eines längeren Prozesses, der von Thomas Klagian penibel recherchiert wurde.

Nach jahrelangen Diskussionen über die Erhaltenswürdigkeit der Gulaschbrücke, in die die Stadt, die ÖBB, das Bundesdenkmalamt und interessierte Bürger:innen involviert waren, kam es im Juli 1990 zu einer Vereinbarung zwischen der Stadt und den ÖBB über den aus technischen und konservatorischen Gründen erforderlichen Abbruch, dem eine Wiedererrichtung folgen sollte. In der Nacht vom 28. auf den 29. Juli 1990 wurde die Brücke wie vereinbart demontiert, die Einzelteile wurden auf dem alten Bahnhofsgelände (heute Parkplatz Seestadtareal) gelagert. 

Am 8. Jänner 1991 empfahl der Stadtplanungs- und Verkehrsausschuss die Wiedererrichtung der Brücke am alten Standort. Die Kosten wurden mit rund 3,5 Millionen Schilling geschätzt, die von der Stadt allein zu tragen gewesen wären.

Am 15. Jänner 1991 lehnte der Stadtrat die Wiedererrichtung der alten Brücke ab und empfahl stattdessen den Bau einer neuen Brücke von hoher baukünstlerischer Qualität nach Durchführung eines Wettbewerbs, zu dem es meines Wissens nie gekommen ist. Der Abtransport der Brückenelemente wurde beschlossen. Vom 18. bis 21. Jänner 1991 wurde die Gulaschbrücke endgültig verschrottet.

Ich habe meine damalige Entscheidung gegen den Wiederaufbau als Mitglied des Stadtrates folgendermaßen begründet: Angesichts zweier neuer rollstuhl- und kinderwagentauglicher Verbindungen von der Stadt zum See in unmittelbarer Nähe (Hypo-Passage und Übergang beim neuen Bahnhof) würde die mit hohem Aufwand wiedererrichtete Gulaschbrücke ziemlich funktionslos in der Gegend herumstehen – schön zum Anschauen, aber ohne praktischen Wert. Dieser Meinung bin ich nach wie vor.“ Text: Werner Schelling

Kulturservice

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