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Kunstschätze im Stadtbesitz

Vorstellungsreihe ausgewählter Kunstwerke aus der städtischen Kunstsammlung: Wir präsentieren einmal im Monat ein Kunstwerk aus dem städtischen Besitz. Viele Freude beim Entdecken „unserer“ Kunstschätze!
 

Kunstwerk des Monats Mai:
„Lo Mazzarino Tile Certificato“ von Uwe Jäntsch

Das Werk „Lo Mazzarino Tile Certificato“ ist eine der 14 Fliesen der Serie “Lo Mazzarino” des Künstlers Uwe Jäntsch.  Die aufwendig handgemachten Fliesen stellte der Künstler Uwe Jäntsch 2019 in der Fliesenmanufaktur KARAK in Bludenz mit der Raku-Technik her. Die Fliesen „Lo Mazzarino Tile Certificato“ stehen in engen Zusammenhang mit seiner Zeit in Sizilien, Palermo. Dort lebte und arbeitete Uwe Jäntsch von 1999 bis 2018. Der leerstehende, verfallene Palazzo Lo Mazzarino an der Piazza Garraffello im historischen Stadtteil Vucciria aus dem 16. Jahrhundert diente dem Künstler als Atelier bis er es 2018 nach endlosen Auseinandersetzungen mit den italienischen Behörden räumen musste. 

Uwe Jäntsch: „Der Palazzo lo Mazzarino war das erste Gericht der Stadtgeschichte und meine umgewandelte fiktive „banca nazion“. In dem obersten Stock installierte ich das „stanza di compensazione“, der Hauptraum der Bank, indem wir mit vielen Besuchern eben über verschiedene Dinge verhandelten, die so angefallen sind zu der Zeit. Diesen Raum stattete ich mit einer Rosendecke aus. Der Raum hatte auch Bodenfliesen aus dem 16. Jahrhundert. Bei meinem Abgang 2018 übermalte ich die komplette Freske mit schwarzer Farbe vor der Presse, um keinen Spekulations-Boomerang in Zukunft zu haben. Dafür stellte ich bei der Fliesenmanufaktur Karak in Bludenz ein Jahr später 14 aufwendig handgemachte Fliesen mit der bekannten Raku-Technik her. Sie sehen so aus, als ob sie von der Decke gefallen sind. Die Blumen sind das Symbol von einer starken Bindung von 20 Jahren zwischen mir und Palermo. Sie blühten auf den Ruinen auf der Schattenseite unserer Gesellschaft. Die Blumen der Lo Mazzarino Tiles kommen aus dem Ofen und blühten unter 900°C auf.“
 


Biografie
Uwe Jäntsch, geboren 1970, Vorarlberger Kunstschaffender, zur Zeit ohne festen Wohnsitz. Sein Werk umfasst sog. Eingriffe mit Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation, Performance und Filmkunst. Jäntsch ist bekannt für außergewöhnliche Aktionen oder Eingriffe, wie er sie nennt. Meist sucht er sich dafür Orte aus, die – im öffentlichen oder halb-öffentlichen Raum gelegen – in Vergessenheit geraten sind oder absichtlich ignoriert werden. So bespielte Jäntsch etwa in Palermos Altstadt die Ruinen mehrerer Palazzi, er kandidierte in einer sizilianischen Kleinstadt als Bürgermeister mit falschem Bart und Plastikblumen, und er überarbeitete das stillgelegte Bahnhofsareal des Orientexpress in Venedig mit Logos von Weltmarken.

Auf Palermos Piazza Garrafello richtete er ein Freilichtmuseum für seine Installationen ein. Mit zahlreiche künstlerische Interventionen machte er auf den Verfall des Palazzo lo Mazzarino aufmerksam, der exemplarisch für den Verfall der historischen Substanz des gesamten Stadtteils ist und die damit zusammenhängenden Immobilienspekulationen. Jäntsch wurde mehrmals von der Stadt angezeigt und angeklagt bis er 2018 das Gebäude räumen musste. Bis heute wurde der Palazzo nicht saniert. 
www.costanzalanzadiscalea.it

 


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