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Kunstschätze im Stadtbesitz

Wir präsentieren einmal im Monat ein Kunstwerk aus dem städtischen Besitz. Viele Freude beim Entdecken „unserer“ Kunstschätze!
 

Kunstwerk des Monats September: "September" von Helmuth Fetz

„September“ (1969 bis 1973 in Wien) stammt aus der Serie „Jahreszyklus“ und zeigt eine an der charakteristischen Perfektion des phantastischen Realismus angelehnte Landschaft im Stil der Alten Meister, versetzt mit surrealen Elementen. Während Wiese und Büsche in herbstlichem Licht golden leuchten, kann man die bis in den Himmel verlaufende Straße in gespiegelter Symmetrie als Symbol für das ewige Licht und die Unendlichkeit deuten, aber auch als Sinnbild der Sterblichkeit und Endlichkeit des Lebens auf der Erde. Diese Straße gleicht einer Sanduhr, die uns vor Augen führt, dass die Lebenszeit langsam, aber stetig und unausweichlich verrinnt. Optimisten und alle, die an die Wiedergeburt glauben, werden indes wahrscheinlich den Weg von unten nach oben als eine Entwicklung vom irdischen Leben ins göttliche Licht verstehen. Interessant sind auch die Brücke und der Bogen als architektonische Strukturmittel für einen geometrischen Aufbau des Bildes.

Der Vorarlberger Künstler Helmuth Fetz, 1928 in Thüringen bei Bludenz geboren und 2010 in Ried im Innkreis verstorben, war einer der bekanntesten Vertreter des phantastischen Realismus in Österreich. Nach der Meisterschule für Dekorationsmalerei, beschäftigte sich Fetz immer mehr mit der Malerei. Seit 1964 war er Gründungsmitglied des Bregenzer Kreises, dem unter anderen auch Erich Smodics und Rudolf Zündel angehörten. Nach einigen Jahren in Wien leitete er in Bregenz die Galerie "Kunstlädele". Die Kunst von Rudolf Wacker und Herbert Reyl-Hanisch bewegten Fetz dazu, sich mehr mit der Neuen Sachlichkeit zu beschäftigen. In weiterer Folge wurde er Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus sowie der naiven Malerei.
1988 wurde Helmut Fetz in die Innviertler Künstlergilde aufgenommen. Ein Jahr verließ der Vorarlberger Bregenz, um im Innviertel seine Kunst fortzuführen.
Bekannt wurde Helmuth Fetz vor allem durch seine Landschaftsbilder, seine Stadtansichten, die er am Bodensee und später im Innviertel malte, sowie durch seine Porträts von Vorarlberger und Innviertler Persönlichkeiten.
Neben der Ölmalerei widmete sich Helmuth Fetz auch der Radierung. Er schuf in dieser Technik die vier Zyklen „Winter am Bodensee“, „Dornbirner Veduten“, „s‘ Wälderbähle“ und als Referenz für seine neue Heimat „Innviertler Städtebilder“.

Archiv

Ein Sammelsurium an Fundstücken, die beim Bau des Bregenzer Festspielhauses zwischen 1977 und 1980 ans Tageslicht befördert wurden, hat der Künstler Peter Adrian Larcher in drei verglasten Holzkästen arrangiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Seit Jahren oder teilweise Jahrzehnten ruhten in der Baugrube Gegenstände, die vom Banalen wie Glas- und Keramikscherben über Alltägliches wie einer blauen Flachzange bis zum Kuriosen wie Knochenteilen oder Türaufhängern reicht. Auch Handschuhe und Aschenbecher finden sich in dem an einen Setzkasten erinnernden Kunstwerk, in dem Larcher mit viel Gespür für Ästhetik aber auch mit einem Augenzwinkern diese Zeitzeugnisse verschiedenster Epochen zu einem kuriosen Gesamtkunstwerk zusammenfügt.


Biografie
Peter Adrian Larcher wurde 1955 in Lauterach geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Kunst in Wien und lebt und arbeitet in Innsbruck. Er ist Mitglied der Berufsvereinigung Bildender Künstler Vorarlbergs in Bregenz und der Tiroler Künstlerschaft. Im Palais Thurn und Taxis wurden seine Werke bereits zwei Mal ausgestellt: 1979 "Weil ich W. Nasenhaar kannte" und 1988 "Der mehrtittige Deutel ist es nicht allein".

 

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In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren entwickelte Karl-Heinz Ströhle eine Serie von „Streifenbildern“, die eine wichtige Rolle in seinem Werk einnehmen. Als erste bedeutende Phase der Abstraktion des Künstlers nahmen die Streifenbilder gleichzeitig seine Entwicklung der Linie und der für Ströhle so charakteristischen „Blubbs“ vorweg. Ströhle bezeichnete seine Streifenbilder als „Einstieg in die raumgestaltende Wandmalerei“.

Als immer wiederkehrendes gestalterisches Mittel bilden die Streifen auch eine Konstante im Schaffen des Künstlers. Besonders in seinen Kunst-am-Bau Arbeiten griff Ströhle immer wieder auf die Streifen zurückgriff, so auch bei der Gestaltung des Baunetzes auf der Baustelle des Vorarlberg Museums in Bregenz 2012. In einem Gespräch mit Ingrid Adamer sagte Ströhle über seine „Verhüllung“ des Vorarlberg Museums: „Die Streifen wirken in dieser Größe und Dimension wie ein riesiger Vorhang. Nach dem „Fall“ des Vorhanges wird man sehen, ob das Versprechen – man werde der zeitgenössischen Kunst in Vorarlberg im neuen Landesmuseum eine Heimat bieten – eingelöst worden ist. Die auf den ersten Blick rein formale Arbeit ist als kulturpolitisches Statement gedacht“.

Mehrere Bilder der 1990er Jahre mit dem Titel „Gap“ zeigen wieder vertikal angeordnete Streifen, die die Leinwand in schwarze und weiße Segmente fragmentiert und damit Zwischenräume freigibt. In späteren teils großformatigen Bildern (Ohne Titel, Inkjet auf Leinwand) erscheinen die Streifen wieder enger angeordnet, die starke ästhetische Wirkkraft entsteht durch die unregelmäßige Anordnung und Breite der Streifen und deren Kapazität, „eine Wand oder einen Raum zu gliedern, zu füllen oder zu rahmen, den Blick zu fokussieren oder zu zerstreuen, zwischen großen und kleinen Dimensionen zu vermitteln.“ (Vitus Weh im Katalog „Karl-Heinz Ströhle, Ornament und Aformation, Otten Kunstraum, S.42)


Biografie
Karl-Heinz Ströhle, geboren 1957 in Bregenz, studierte am Mozarteum in Salzburg und bei Bazon Brock an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Dort hatte er auch einen Lehrauftrag und habilitierte 2014 im Fach Bildhauerei. Auslandstipendien in Paris und Tokyo sowie Preise – zuletzt der Konstanzer Kunstpreis 2016 – honorierten seine künstlerische Arbeit. Im August 2016 verstarb Karl-Heinz Ströhle im Alter von 58 Jahren überraschend auf einer Wanderung im Silvretta-Gebiet.

Als Zeichner, Maler, Performance-, Objekt- und Medienkünstler gehört sein Werk zu den interessantesten und wichtigsten künstlerischen Positionen Österreichs. Seine Arbeit changiert zwischen dem Konzeptionell-Konkreten und dem Spielerisch-Intuitiven, zwischen einer klaren, von der Linie ausgehenden Formensprache und dem schwingenden Impuls des von ihm präferierten Materials Federstahl. Die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum durch zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte ist wichtiger Bestandteil seiner Arbeit und vermittelt am deutlichsten die soziale und politische Dimension seines Oeuvres. 

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„Vivida Tellus“ (lat. lebendige Erde) ist - wie die meisten Bilder von Ilse Konrad - das Produkt einer Reise: vor knapp 10 Jahren unternahm Konrad mit einem befreundeten französischen Fotografen eine Reise durch Nordspanien auf den Spuren von Salvador Dalí. Die Eindrücke dieser Reise, die Konrad als ungeheuer intensiv und kraftvoll beschreibt, verarbeitet die Künstlerin nach ihrer Rückkehr nach Österreich in ihrem Zyklus „rote Bilder“, der auch in einem in rotem Leinen gefassten Buch Platz gefunden hat.

Die starke Farbgebung des Bildes, das (wie der Titel verrät) „energiereiche lebendige Erde“ darstellt, ergibt sich nicht zuletzt aus der für Konrad typischen Arbeitsweise: die „Anteigung“ der Farben und Farbmischungen stellt Ilse Konrad selbst her aus den in ihren Reisen gesammelten und mitgebrachten Elementen (Sand, Erde, Steine, etc.), die sie ua. mit Leinöl zu Farben vermischt. Im Fall von Vivida Tellus ist es Eitempera.

Ilse Konrad ist eine reisende Malerin und eine malende Reisende. Ihre „Studienreisen“, wie Konrad sie nennt, führten sie bereits in (fast) alle Teile der Welt. Das Skizzenbuch ist dabei ihr wichtigster Begleiter und bildet im Folgenden die Basis für ihre Bilder. Konrad: „Auf meinen vielen Studienreisen habe ich Auge und Hand geschult, nur das Wesentliche zu begreifen und festzuhalten, alles Überflüssige abzutun, um den Kern der Dinge zu erfassen“.

Mit ihrem Mann reiste Konrad mehrere Male in die Wüste. So entstand in den 1990er Jahren eine Serie von Wüstenbildern, in denen Konrad auch das Thema Flucht verarbeitet.

Ilse Konrads Bilder sind abstrakt, dennoch betont die Malerin die Bedeutung der Zeichnung -  Linie, Strich und Duktus – nicht nur für ihre eigene Arbeit, sondern auch als zu beherrschendes Handwerk für jede Form der bildenden Kunst.


Biografie
Ilse F. Konrad, 1940 in Wien geboren und in Bregenz aufgewachsen, studierte an der Kunstakademie in Paris, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Bregenz und war hier auch über Jahre hindurch als Kunsterzieherin am Privatgymnasium Sacré Coeur (Riedenburg) tätig. Stipendien führten sie u. a. nach Rom und Chios, zahlreiche weitere Reisen in viele Länder der Welt waren unablässige Inspirations-Quellen für ihre Bilder. Ilse Konrad erinnert sich: „Malerische Weltreisen, Seehunde auf Galapagos, Himba-Frauen in Namibia, Häuser am Vulkan in Lanzarote, Chiosblau und erdiges-braunes Afrika….“.

Intensives Empfinden überträgt die Künstlerin in kraftvollen und rhythmisch verlaufenden Bewegungen auf die Leinwand: „Meine Bilder zeigen eruptive Formen und Gesten. Haptisch bis zur beginnenden Dreidimensionalität modelliert, wollen sie intensive Geruchs-Gefühls-Gehör-Erlebnisse erzeugen. Das Malen-Müssen, das dynamische Farb-Bekennen bricht förmlich aus mir heraus“. Der –raison du coeur- (Pascal) gibt Konrad Ausdruck, indem sie die gestalteten Handlungen „vom Bauch aus“ schafft.

Werke der 81-jährigen Künstlerin sind momentan in nicht weniger als vier Ausstellungen zu sehen: Künstlerhaus Thurn und Taxis - Mitgliederausstellung „An Vogel“ (noch bis 27.Juni); Galerie Art House - „Frauenpower“ (bis 3.Juli), Rohnerhaus – „Flucht“ , und Buchhandlung Brunner (Schaufenstergalerie).


 

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Das Werk „Lo Mazzarino Tile Certificato“ ist eine der 14 Fliesen der Serie “Lo Mazzarino” des Künstlers Uwe Jäntsch.  Die aufwendig handgemachten Fliesen stellte der Künstler Uwe Jäntsch 2019 in der Fliesenmanufaktur KARAK in Bludenz mit der Raku-Technik her. Die Fliesen „Lo Mazzarino Tile Certificato“ stehen in engen Zusammenhang mit seiner Zeit in Sizilien, Palermo. Dort lebte und arbeitete Uwe Jäntsch von 1999 bis 2018. Der leerstehende, verfallene Palazzo Lo Mazzarino an der Piazza Garraffello im historischen Stadtteil Vucciria aus dem 16. Jahrhundert diente dem Künstler als Atelier bis er es 2018 nach endlosen Auseinandersetzungen mit den italienischen Behörden räumen musste. 

Uwe Jäntsch: „Der Palazzo lo Mazzarino war das erste Gericht der Stadtgeschichte und meine umgewandelte fiktive „banca nazion“. In dem obersten Stock installierte ich das „stanza di compensazione“, der Hauptraum der Bank, indem wir mit vielen Besuchern eben über verschiedene Dinge verhandelten, die so angefallen sind zu der Zeit. Diesen Raum stattete ich mit einer Rosendecke aus. Der Raum hatte auch Bodenfliesen aus dem 16. Jahrhundert. Bei meinem Abgang 2018 übermalte ich die komplette Freske mit schwarzer Farbe vor der Presse, um keinen Spekulations-Boomerang in Zukunft zu haben. Dafür stellte ich bei der Fliesenmanufaktur Karak in Bludenz ein Jahr später 14 aufwendig handgemachte Fliesen mit der bekannten Raku-Technik her. Sie sehen so aus, als ob sie von der Decke gefallen sind. Die Blumen sind das Symbol von einer starken Bindung von 20 Jahren zwischen mir und Palermo. Sie blühten auf den Ruinen auf der Schattenseite unserer Gesellschaft. Die Blumen der Lo Mazzarino Tiles kommen aus dem Ofen und blühten unter 900°C auf.“
 


Biografie
Uwe Jäntsch, geboren 1970, Vorarlberger Kunstschaffender, zur Zeit ohne festen Wohnsitz. Sein Werk umfasst sog. Eingriffe mit Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation, Performance und Filmkunst. Jäntsch ist bekannt für außergewöhnliche Aktionen oder Eingriffe, wie er sie nennt. Meist sucht er sich dafür Orte aus, die – im öffentlichen oder halb-öffentlichen Raum gelegen – in Vergessenheit geraten sind oder absichtlich ignoriert werden. So bespielte Jäntsch etwa in Palermos Altstadt die Ruinen mehrerer Palazzi, er kandidierte in einer sizilianischen Kleinstadt als Bürgermeister mit falschem Bart und Plastikblumen, und er überarbeitete das stillgelegte Bahnhofsareal des Orientexpress in Venedig mit Logos von Weltmarken.

Auf Palermos Piazza Garrafello richtete er ein Freilichtmuseum für seine Installationen ein. Mit zahlreiche künstlerische Interventionen machte er auf den Verfall des Palazzo lo Mazzarino aufmerksam, der exemplarisch für den Verfall der historischen Substanz des gesamten Stadtteils ist und die damit zusammenhängenden Immobilienspekulationen. Jäntsch wurde mehrmals von der Stadt angezeigt und angeklagt bis er 2018 das Gebäude räumen musste. Bis heute wurde der Palazzo nicht saniert. 
www.costanzalanzadiscalea.it

 

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Hasso Gehrmann (*1924 in Weißenfels, Deutschland, † 2008 in Bregenz) studierte Kunst und Philosophie in Heidelberg bei Karl Jaspers.
Er lebte zunächst in Frankfurt, später und bis zu seinem Tod in Bregenz. Er war bildender Künstler, Philosoph und erfolgreicher Industrie-Designer mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. Kurz vor seinem Tod 2008 würdigte ihn das Bregenzer Magazin4 und die Bregenzer Galerie art contemporary mit einem mehrteiligen Ausstellungs-, Film- und Theorieprojekt.

Die Schrecken des Krieges und seiner Anstifter machte Hasso Gehrmann zum Suchenden nach einem besseren Verständnis der Menschen und der Steuerbarkeit der Gesellschaft.
Gehrmann entwickelte als Mitarbeiter von AEG, später als Chefdesigner von Electra Bregenz zahlreiche Wohn-Konzepte und Haushalts-Geräte wie den Bestseller-Staubsauger (Vampirette), einen Haartrockner (Fön), oder den AEG-Deluxe-Herd.
Große internationale Aufmerksamkeit erlangte seine 1969 konzipierte „vollautomatische Küche“ (auch Gehrmann-Küche genannt).

Begrüßung
Während es über sein Bild „Begrüßung“ kein Statement des Künstlers gibt (es also jeder für sich „lesen“ möge), möchten wir hier einen Ausschnitt des Textes bringen, den Hasso Gehrmann zu seiner vollautomatischen Küche verfasst hat und der sein künstlerisches Bestreben, aber auch seinen philosophischen Ernst und seinen Sinn für Humor bestens zum Ausdruck bringt:

„1965 begann ich in Bregenz endlich mit der Konstruktion einer „Totalen Wohnung“ (so der Arbeitstitel des Projekts). Die Aufhebung der starr fixierten Zimmer-Zellen und der Gebrauch von Dreh- und Liftmechanik erbringen hier auf 80 m² Fläche 120 m² Wirkungsgrad. Die Idee meines Wohnelemente-Baukastens wird vom Sektor Küche am ehesten veranschaulicht. Dort bedient die Hausfrau oder der Hausmann wie ein Klavierspieler mittels Fußpedalen, Tasten und Bildschirms eine frei im Raum stehende Skulptur namens Küche. Vermittels ihrer Lifthydraulik zur Rechten und dem Gerätekarussell zur Linken liefert sie dem Kochkünstler alles momentan Gewünschte zur Hand.
Ohne ein einziges Mal aufstehen zu müssen, ist jedes Kochkünstlerspiel machbar. Dabei kann am rechtsseitigen Esstisch bereits serviert werden. Die Küche mutiert hier quasi vom „größten Arbeitsplatz der Welt“ zum „größten Atelier“.[...]
Im Grunde genommen entwickelte ich mit diesem Wohnprojekt eine intelligente Maschine, die sich jedoch nicht selbst genügt, sondern allenthalben zum Instrument für die allfälligen Ich-und-Du-Spiele wird. Wie später noch in meiner Bi-Logik-Theorie3 ersichtlich werden sollte, mündet die vollkommene objektive Logik schlussfolgernd in eine übergreifende Subjektivität ein.“

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Das Kunstwerk „7 Nächte des Prinzen Jussuf in Jerusalem“, das die 1983 in Bregenz geborene Künstlerin Katherina Olschbaur selbst als „philosophisches Projekt“ bezeichnet, entstand während eines
4-monatigen Stipendium-Aufenthaltes der Künstlerin in Israel. Es besteht aus einem Foto, in dem die junge Künstlerin sich selbst als „Prinz Yussuf II“ inszeniert, einer Karte, in der in Bleistift die 7 Schauplätze des Projekts eingezeichnet sind, und 7 dazugehörigen Zeichnungen.In der Arbeit nimmt Katherina Olschbaur Bezug auf Else Lasker Schülers Werk, in welchem die Schriftstellerin das fiktive Land Theben als Sehnsuchtsort Heimat entwarf.
Else Lasker-Schüler selbst wurde jedoch eine wirkliche Heimat verwehrt. Sie lebte auch in ihrem letzten Aufenthaltsort Jerusalem bis zuletzt im Exil. Katherina Olschbaur findet sich in ihrem Projekt selbst in der Rolle des „Yussuf II“ wieder, der im zerrissenen Jerusalem auf der Suche nach Heimat und Geborgenheit und nach Frieden ist. Sie verwendet die Hotelzimmer als Bühne. Jedes Zimmer ist Schauplatz eines rauschenden Festes. (Quelle: Pressetext Lisi Hämmerle anlässlich der Ausstellung Yussuf/Cermak in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz 2007).

Katharina Olschbaur selbst zu ihrer Arbeit:
Während meines Aufenthalts in Jerusalem wohne ich in Hotels im östlichen wie im westlichen Teil der Stadt. Ich fotografiere die einzelnen Hotelzimmer, in denen ich übernachte, und sammle Abbildungen von Zimmern in bekannten und teuren Hotels, in denen ich selbst nicht gewohnt habe.

Die Serie „Die sieben Nächte des Yussuf“ besteht aus sieben Objekten, die jeweils eine Nacht in einem Hotelzimmer darstellen ... das philosophische Projekt beschreibt ein Leben im Exil, in dem die Räume immer provisorisch bleiben. Die 7 Leben des Prinzen Yussuf sind also jeweils Dokumente oder Entwürfe von 7 Nächten in den besten und teuersten Hotels, die nicht umsonst dream resorts genannt werden.
Der Traum einer Heimat erfüllt sich immer nur für eine Nacht, in der gefeiert wird, als ob es die einzige und letzte Nacht des Lebens wäre. Sie sind Dokumente eines Lebens, das sich unmittelbar preisgibt und erfüllt, weil es keine andere Sicherheit kennt. “
Zur technischen Ausgestaltung schreibt die Künstlerin: „Die Zeichnungen sind im Siebdruckverfahren auf Glas gesetzt und in einem Metallrahmen gefasst. Sind die Bilder von vorne beleuchtet, fallen die Linien der Zeichnung als Schatten auf den Hintergrund, die Hotelzimmer als Bühnen der Geister. Das achte Bild aus der Serie zeigt einen gezeichneten Stadtplan, in den die Standorte der einzelnen Hotels eingetragen sind. So spannt sich darauf ein Netz, das sich örtlich und zeitlich über die Stadt legt und die politischen Grenzen und Abtrennungen der Stadt durchkreuzt.“

Katherina Olschbaur
1983 in Bregenz am Bodensee geboren
2001 Studium an der Universität für Angewandte Kunst, Wien; Malerei bei C.L.Attersee und Johanna Kandl; Bühnen- und Filmgestaltung bei Bernhard Kleber
2005 Auslandssemester Wimbledon School of Art, London
2006/2007 viermonatiger Aufenthalt und Stipendium in Tel Aviv, Jerusalem, Israel; mehrere Ausstellungen und Teilnahme an Filmfestivals

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Hasso Gehrmann (*1924 in Weißenfels, Deutschland, † 2008 in Bregenz) studierte Kunst und Philosophie in Heidelberg bei Karl Jaspers.
Er lebte zunächst in Frankfurt, später und bis zu seinem Tod in Bregenz. Er war bildender Künstler, Philosoph und erfolgreicher Industrie-Designer mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. Kurz vor seinem Tod 2008 würdigte ihn das Bregenzer Magazin4 und die Bregenzer Galerie art contemporary mit einem mehrteiligen Ausstellungs-, Film- und Theorieprojekt.

Die Schrecken des Krieges und seiner Anstifter machte Hasso Gehrmann zum Suchenden nach einem besseren Verständnis der Menschen und der Steuerbarkeit der Gesellschaft.
Gehrmann entwickelte als Mitarbeiter von AEG, später als Chefdesigner von Electra Bregenz zahlreiche Wohn-Konzepte und Haushalts-Geräte wie den Bestseller-Staubsauger (Vampirette), einen Haartrockner (Fön), oder den AEG-Deluxe-Herd.
Große internationale Aufmerksamkeit erlangte seine 1969 konzipierte „vollautomatische Küche“ (auch Gehrmann-Küche genannt).

Begrüßung
Während es über sein Bild „Begrüßung“ kein Statement des Künstlers gibt (es also jeder für sich „lesen“ möge), möchten wir hier einen Ausschnitt des Textes bringen, den Hasso Gehrmann zu seiner vollautomatischen Küche verfasst hat und der sein künstlerisches Bestreben, aber auch seinen philosophischen Ernst und seinen Sinn für Humor bestens zum Ausdruck bringt:

„1965 begann ich in Bregenz endlich mit der Konstruktion einer „Totalen Wohnung“ (so der Arbeitstitel des Projekts). Die Aufhebung der starr fixierten Zimmer-Zellen und der Gebrauch von Dreh- und Liftmechanik erbringen hier auf 80 m² Fläche 120 m² Wirkungsgrad. Die Idee meines Wohnelemente-Baukastens wird vom Sektor Küche am ehesten veranschaulicht. Dort bedient die Hausfrau oder der Hausmann wie ein Klavierspieler mittels Fußpedalen, Tasten und Bildschirms eine frei im Raum stehende Skulptur namens Küche. Vermittels ihrer Lifthydraulik zur Rechten und dem Gerätekarussell zur Linken liefert sie dem Kochkünstler alles momentan Gewünschte zur Hand.
Ohne ein einziges Mal aufstehen zu müssen, ist jedes Kochkünstlerspiel machbar. Dabei kann am rechtsseitigen Esstisch bereits serviert werden. Die Küche mutiert hier quasi vom „größten Arbeitsplatz der Welt“ zum „größten Atelier“.[...]
Im Grunde genommen entwickelte ich mit diesem Wohnprojekt eine intelligente Maschine, die sich jedoch nicht selbst genügt, sondern allenthalben zum Instrument für die allfälligen Ich-und-Du-Spiele wird. Wie später noch in meiner Bi-Logik-Theorie3 ersichtlich werden sollte, mündet die vollkommene objektive Logik schlussfolgernd in eine übergreifende Subjektivität ein.“

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Kulturservice

Bergmannstraße 6
6900 Bregenz