Die Galeristin Ursula Krinzinger und Bregenz

Sommerausstellung der Landeshauptstadt Bregenz 

  • 21. Juli bis 30. August 2026
    Dienstag bis Sonntag 
    von 11 bis 18 Uhr
  • Palais Thurn und Taxis
    Gallusstraße 10
    6900 Bregenz

Eintrittspreis: 8 Euro
Ermäßigter Eintrittspreis: 6 Euro 
Ermäßigtes Ticket ist gültig für Besucher:innen von 20 bis einschließlich 27 Jahren und ab 60 Jahren, Gruppen ab 15 Personen, sowie für Menschen mit Behinderungen
Führungen: 7 Euro zzgl. Eintrittspreis

Die Sommerausstellung 2026 im Palais Thurn und Taxis widmet sich der Galeristin Ursula Krinzinger, einer prägenden Persönlichkeit der österreichischen und internationalen Kunstszene. Seit über 55 Jahren fördert sie Künstler:innen, deren Werke heute weltweit präsent sind.

Ihre Laufbahn begann 1971 in Bregenz. Von hier aus entwickelte Ursula Krinzinger eine Haltung zur Kunst, die von Offenheit, Konsequenz und dem Vertrauen in zeitgenössische Ausdrucksformen geprägt ist. Früh unterstützte sie Positionen, lange bevor diese internationale Anerkennung erhielten.

Die Ausstellung versammelt Arbeiten von Gottfried Bechtold, Jonathan Meese, Marina Abramović, Maria Lassnig, Monica Bonvicini, Eva Schlegel u. a. und macht die nachhaltige Wirkung einer Galeristin sichtbar, die zeitgenössische Kunst über Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt hat.

Führung durch die Ausstellung
Dienstag, 18. August 2026, 16.30 Uhr
Dialogführung mit Thomas D. Trummer und Gottfried Bechtold

Pressekonferenz der Sommerausstellung 2026

Impressionen der Eröffnung der Sommerausstellung 2026

Aufbau der Sommerausstellung 2026 - der Blick dahinter

Dr. Ursula Krinzinger – Chronologie eines Lebenswerks

Dr. Ursula Krinzinger zählt zu den bedeutendsten Galeristinnen der internationalen Gegenwartskunst. Seit mehr als fünf Jahrzehnten prägt sie mit außergewöhnlicher Weitsicht, intellektueller Neugier und einer konsequenten Haltung den internationalen Kunstdiskurs. Ihr Wirken reicht weit über die klassische Galerietätigkeit hinaus: Als Vermittlerin, Netzwerkerin und Förderin hat sie Künstler:innen über Generationen begleitet, internationale Entwicklungen früh erkannt und die österreichische Gegenwartskunst nachhaltig im internationalen Kontext verankert.

Geboren in Bregenz, studierte sie nach Abschluss ihres Dolmetscherstudiums Kunstgeschichte und Archäologie in Innsbruck, Wien, Paris, London und Rom. 1971 gründete sie in der Deuringstraße in Bregenz die erste Galerie Krinzinger. Bereits in diesen frühen Jahren zeigte sie Künstler:innen wie Gottfried Bechtold, Bruno Gironcoli, Maria Lassnig und Arnulf Rainer und entwickelte ein Galerieprogramm, das sich durch Offenheit gegenüber neuen künstlerischen Positionen und den konsequenten Dialog zwischen österreichischer und internationaler Gegenwartskunst auszeichnete.

1972 übersiedelte die Galerie nach Innsbruck. Diese Jahre wurden zu einer entscheidenden Phase ihrer kuratorischen Entwicklung und begründeten den internationalen Ruf der Galerie Krinzinger. Hier entstanden Ausstellungen, die den Kunstbegriff ihrer Zeit erweiterten und weit über Österreich hinaus Beachtung fanden.

Einen Meilenstein bildete 1975 die von Ursula Krinzinger initiierte Ausstellung „Zur Situation und Kreativität der Frau“, die heute als eine der frühesten und wegweisenden Ausstellungen zur feministischen Gegenwartskunst im deutschsprachigen Raum gilt. Mit Künstlerinnen wie Marina Abramović, VALIE EXPORT, Katharina Sieverding, Rebecca Horn, Gina Pane und weiteren internationalen Positionen griff sie gesellschaftliche Fragestellungen auf, lange bevor diese Eingang in den kunsthistorischen Kanon fanden.

Ebenfalls 1975 wurde in der Galerie Krinzinger in Innsbruck Marina Abramovićs Performance „Thomas Lips“ uraufgeführt – ein Werk, das heute zu den Schlüsselwerken der internationalen Performancekunst zählt. Damit etablierte sich die Galerie Krinzinger als einer der ersten Orte Europas, an dem Performancekunst konsequent als eigenständige künstlerische Ausdrucksform präsentiert und international vermittelt wurde. Die Innsbrucker Jahre markieren den Übergang von einer ambitionierten Galerie zu einem Ort, an dem internationale Kunstgeschichte aktiv mitgeschrieben wurde.

1986 folgte der Umzug nach Wien. Dort entwickelte sich die Galerie Krinzinger zu einer international renommierten Institution für zeitgenössische Kunst. Mit der Gründung von Krinzinger Projekte, heute Krinzinger Schottenfeld, schuf Ursula Krinzinger 2002 einen experimentellen Ausstellungsraum für junge Positionen, thematische Ausstellungen und neue kuratorische Formate. Im selben Jahr initiierte sie die Krinzinger Residencies, eines der ersten internationalen Artist-in-Residence-Programme einer Galerie, das bis heute Künstler:innen in Österreich, Kroatien, Ungarn und Sri Lanka miteinander verbindet.

Im Zentrum ihres Galerieprogramms stehen seit den frühen 1970er-Jahren Performance, Aktionskunst, körperbezogene Kunst, Skulptur und Malerei. Früh erkannte Ursula Krinzinger die radikale Erweiterung des Kunstbegriffs durch den Wiener Aktionismus und stellte dessen Positionen konsequent in einen internationalen Zusammenhang. Damit leistete sie einen wesentlichen Beitrag dazu, den Wiener Aktionismus als eine der bedeutendsten künstlerischen Entwicklungen der Nachkriegszeit international zu verankern. Für Ursula Krinzinger war die Galerie nie nur Ausstellungsraum, sondern ein Ort, an dem Kunstgeschichte entsteht – durch den Dialog zwischen Künstler:innen, Werken und Gesellschaft. Künstlerische Haltung war für sie stets wichtiger als Marktmechanismen; neue Entwicklungen machte sie oftmals lange vor ihrer institutionellen Anerkennung sichtbar.

In mehr als fünf Jahrzehnten realisierte Ursula Krinzinger rund 750 Einzel- und Gruppenausstellungen. Viele ihrer thematischen Ausstellungen wurden international beachtet, weil sie kunsthistorische Fragestellungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen verbanden und neue Perspektiven auf die Gegenwartskunst eröffneten. Zugleich entwickelte sie ein Galerieprogramm mit Künstler:innen wie Marina Abramović, Kader Attia, Gottfried Bechtold, Chris Burden, Monica Bonvicini, Günter Brus, Brigitte Kowanz, Jonathan Meese, Hermann Nitsch, Eva Schlegel, Rudolf Schwarzkogler, Daniel Spoerri, Gavin Turk, Mark Wallinger, Lois Weinberger und zahlreichen weiteren bedeutenden Positionen der internationalen Gegenwartskunst.

Schon früh erkannte Ursula Krinzinger die Bedeutung internationaler Kunstmessen als Orte des Austauschs, der Vernetzung und der Sichtbarkeit zeitgenössischer Kunst. Bereits 1972 nahm die Galerie erstmals an der Art Basel teil, 1973 folgte die Art Washington. In den folgenden Jahrzehnten gehörte die Galerie Krinzinger zu den prägenden internationalen Galerien auf den bedeutendsten Kunstmessen weltweit, darunter Art Basel, Art Basel Miami Beach, Art Basel Hong Kong, The Armory Show New York, ARCO Madrid, Frieze London, FIAC Paris, Art Dubai, Art Brussels, Art Cologne, Art Chicago, Art Düsseldorf, Art Copenhagen, Art Rotterdam, Art Singapore, Shanghai Art Fair, Art Beijing, Art Taipei, Art Mexico, sowie jüngst Messen in Katar und Riad. 

Als Mitglied des Messekomitees der Art Basel wirkte Ursula Krinzinger über viele Jahre an der internationalen Qualitätsentwicklung einer der weltweit bedeutendsten Kunstmessen mit und trug maßgeblich zur internationalen Präsenz der von ihr vertretenen Künstler:innen bei. Ihre jüngsten programmatischen Schwerpunkte entstanden aus intensiven Recherchen in Asien und im Nahen Osten und erweitern das Galerieprogramm bis heute um neue kulturelle Perspektiven.

Mit dem Krinzinger Lesehaus, das 2018 im Weinviertel eröffnet wurde, schuf sie darüber hinaus einen Ort des Austauschs zwischen Kunst, Literatur und Wissenschaft. Die dort entstandene Präsenzbibliothek mit tausenden internationalen Kunstzeitschriften sowie Lesungen, Ausstellungen und Diskussionsformaten versteht sie als Erweiterung ihrer kuratorischen Arbeit – als Raum des Forschens, Lesens und Denkens.

Vor fünf Jahren entschied sich ihr Sohn Thomas Krinzinger für die Nachfolge und verantwortet seither einen Großteil des Galerieprogramms. Ursula Krinzinger widmet sich weiterhin der Sammlung, den Krinzinger Residencies sowie internationalen Projekten und begleitet die inhaltliche Entwicklung der Galerie mit ungebrochener Leidenschaft.

Für ihr außergewöhnliches Lebenswerk erhielt Ursula Krinzinger zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, darunter das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, den Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, den FEAGA European Gallery Award – Lifetime Achievement Award, den Goldenen Tiroler Adler-Orden sowie 2025 den erstmals vergebenen ARCO Juana de Aizpuru Award in Madrid.

Ursula Krinzingers Lebenswerk steht für eine Haltung, die auf Vertrauen, Offenheit und der Überzeugung beruht, dass Kunst gesellschaftliche Entwicklungen nicht nur reflektiert, sondern aktiv mitgestaltet. Als Galeristin hat sie Künstler:innen begleitet, internationale Netzwerke geschaffen und den Dialog zwischen österreichischer und internationaler Gegenwartskunst nachhaltig geprägt. Ihr Lebenswerk steht exemplarisch für eine Galeristin, die Kunstgeschichte nicht nur begleitet, sondern über Jahrzehnte hinweg aktiv mitgeschrieben hat.

Mit Dank an: