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© Udo Mittelberger

Aktion „Gemeinsam am See“: Für ein gutes Miteinander am frei zugänglichen Bodenseeufer

Das frei zugängliche Bodenseeufer zählt zu den wichtigsten Naherholungsgebieten Vorarlbergs. Der freie Zugang zum See ist keine Selbstverständlichkeit. Rund um den Bodensee sucht man vergeblich vergleichbar große Uferbereiche ohne Zäune oder Zutrittsbeschränkungen. In Bregenz trägt das Gebiet von der Pipeline bis zum ca. 130 Hektar großen Natura-2000-Schutzgebiet am See und an der Achmündung zur hohen Lebensqualität und Attraktivität der Landeshauptstadt maßgeblich bei.

Gemeinsam am See – vernetztes Maßnahmenpaket
Damit das Miteinander am See für Natur und Mensch gut funktioniert, sind gewisse Regeln einzuhalten. Dies gilt aber auch für das Miteinander der Menschen, die ihre Freizeit am See verbringen. Gerade die letzten Wochenenden haben gezeigt, wie wichtig die Beachtung der vorliegenden Verordnungen und darüber hinaus ein respektvoller Umgang miteinander sind. Trostlose Bilder von achtlos liegengelassenem Müll bis hin zu Lärmbelästigungen haben den Unmut vieler Bregenzerinnen und Bregenzer auf sich gezogen.

Sowohl die Mitarbeitenden des städtischen Bauhofs wie auch die Polizei sind laufend im Einsatz. Die Stadtpolizei setzt dabei, unterstützt von der Bundespolizei, auf Dialog und Deeskalation. Nichtsdestotrotz mussten zuletzt immer häufiger die geltenden Vorschriften bezüglich Littering, Glasverbot, Lärmbelästigung oder auch Anstandsverletzungen (wie etwa Urinieren im öffentlichen Raum) zur Anzeige gebracht werden. Die Polizei hat die Kontrollen verstärkt und ist mit erhöhten Patrouillenfrequenzen sowie als Fahrradstreife unterwegs.

Das Durchsetzen der geltenden Vorschriften durch die Polizei wird begleitet von einem neu erarbeiteten Maßnahmenpaket, der von Bürgermeister Michael Ritsch beauftragten „Task Force“. Die Arbeitsgruppe besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Polizei, der städtischen Abteilung für Rechtsservice und Bürgerdienste, der Gemeinwesenarbeit und des Jugendservice, der Stadtgärtnerei, des städtischen Bauhofs und der Fachstelle Abfallwirtschaft.

Die Maßnahmen, die nun der Öffentlichkeit präsentiert werden, umfassen neben der Einhaltung der COVID-19-Schutzmaßnahmen u. a. folgende häufige Probleme:

  • Littering (zurückgelassener Müll)
  • „wilde“ Feuerstellen
  • Missachtung des Glasflaschenverbots
  • Freilaufende Hunde
  • Lärm (beispielsweise durch laute Musikboxen)

Neben dem Einsatz von Sicherheitswachen setzt die Stadt vor allem auch auf die Gesprächsbereitschaft der Besucherinnen und Besucher am Seeufer und setzt das vorgestellte Maßnahmenpaket nun laufend um.

Neuer Service: Uferaufsicht und Vermittlungsarbeit
Zur Verstärkung der Vermittlungsarbeit, die in erster Linie von städtischen Bediensteten der Gemeinwesen- und Jugendarbeit geleistet wird, wurde ein neuer Service eingerichtet. Die Stadt hat vier neue Stellen zur Uferaufsicht geschaffen. Ihre Aufgabe ist es, in den stark frequentierten Bereichen von der Pipeline bis zum Wocherhafen mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, Ansprechpartner/-innen bei Problemen zu sein und bei Bedarf auf die Einhaltung der Regeln und die Notwendigkeit von rücksichtsvollem und respektvollem Verhalten hinzuweisen.

Die Uferaufsicht baut auf die Erfahrungen der langjährigen Vermittlungsaktion „Gemeinsam am See“, die namensgebend für die gesamte vorliegende Aktion ist und diese auch unterstützt. Seit einigen Jahren gehen bei „Gemeinsam am See“ Bedienstete der Stadt Bregenz und Ehrenamtliche in Zweier- oder Dreierteams durch die Seeanlagen und machen auf die geltenden Regeln aufmerksam. Die Teams sind an einem gelben T-Shirt mit dem Aufdruck „Gemeinsam am See“ erkennbar. Das Team sanktioniert nicht, sondern verständigt, wenn notwendig, die Polizei.  

Offene Jugendarbeit
Die Offene Jugendarbeit sucht regelmäßig öffentliche Orte auf, an denen sich Jugendliche aufhalten, um mit ihnen in Kontakt zu kommen, ihre Situation und Bedürfnisse zu klären, auf Jugendangebote aufmerksam zu machen, aber auch auf die Notwendigkeit eines respektvollen Verhaltens hinzuweisen. Die Rundgänge der offenen Jugendarbeit werden bei gutem Wetter vom innerstädtischen Gebiet auch auf die Pipeline und das Molo ausgeweitet.

Tägliche Reinigung von Seeanlagen und Seeufer / Ausbau der Müllsammelinfrastruktur
Der Stadt ist es ein großes Anliegen, eine weitere Vermüllung des beliebten Uferabschnittes zu verhindern. Am gesamten Seeufer kommen pro Tag 10 bis 15 Kubikmeter Müll zusammen. Acht Mitarbeitende des Bauhofs und der Stadtgärtnerei reinigen daher täglich das gesamte Ufergebiet. Die Stadtgärtnerei kümmert sich insbesondere um die Seeanlagen im Bereich vom Festspielhaus bis zum Hafen, das restliche Seeufer wird vom Bauhof betreut – von 5 Uhr bis 7 Uhr morgens, auch samstags und sonntags, wird dem Bereich von Molo und Pipeline besonderes Augenmerk geschenkt. Darüber hinaus haben die Mitarbeitenden des Bauhofes und der Stadtgärtnerei zusätzliche und vor allem größere Abfalleimer installiert und machen auch verstärkt Einsatzfahrten, um diese zu leeren. Zudem hat der Bauhof eigens für Pizzakartonschachteln eigene Behälter mit erhöhtem Fassungsvermögen hergestellt.

Die genannten Betreuungs- und Kontrollmaßnahmen werden stadtintern vernetzend koordiniert, um möglichst effizient und durchgängig eine Betreuung bzw. Kontrolle des Bregenzer Bodenseeufers sicherstellen zu können. Teil davon ist ein Set visueller Elemente vor Ort wie Bodenmarkierungen oder auf Großmülltonnen angebrachte Hinweise, die auf die Spielregeln des rücksichtsvollen Umgangs mit Mensch und Natur aufmerksam machen.

Auch andere Städte sehen sich aktuell mit ähnlichen Problemen im öffentlichen Raum konfrontiert. Daher setzt Landeshauptstadt Bregenz darüber hinaus auch auf Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen und die Nutzung von Synergien. Diese sind vor allem gemeindeübergreifend anzusetzen.

„Wir wissen auch von anderen Städten, dass nur mit Verordnungen und Polizeieinsätzen kein Miteinander am See geschaffen werden kann. Deswegen gehen wir diesen neuen Weg“, betont Bürgermeister Michael Ritsch. „Ich habe großes Verständnis für alle – Jung und Alt –, die nach coronabedingten Einschränkungen jetzt wieder das Seeufer besuchen und dort gemeinsam eine schöne Zeit haben möchten. Ich bitte aber gleichzeitig alle Nutzerinnen und Nutzer der Pipeline und anderer Bereiche, sich an die geltenden Spielregeln zu halten. Und ich bedanke mich vor allem auch bei jenen, die das ganz selbstverständlich tun, um das frei zugängliche Seeufer und seine Schönheit auch in Zukunft aufrechtzuerhalten. “

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