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"Kann denn Baden Sünde sein?" Sonderausstellung im Martinsturm

Vom 12. Juli bis 31. Oktober läuft im Martinsturm in der Bregenzer Oberstadt, Martinsgasse 3b, die Sonderausstellung der Stadt „Kann denn Baden Sünde sein?“. Sie ist immer von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Das Baden im Bodensee wird heute als sommerlicher Freizeitspaß erlebt und gelebt. Das war nicht immer so. In den vergangenen Jahrhunderten diente das Baden fast ausschließlich der Körperhygiene. Die Einhaltung von Sitte und Moral spielte dabei eine wichtige Rolle, weswegen das Baden seit dem 17. Jahrhundert strengen Regeln unterworfen war. Die Ausstellung „Kann denn Baden Sünde sein?“ erzählt die Geschichte der Bregenzer Badekultur vom 17. Jahrhun­dert bis in die 1980er-Jahre. Gezeigt wird vor allem Bild- und Aktenmaterial aus dem Bregenzer Stadtarchiv und dem Wirtschaftsarchiv Vorarlberg.

Die erste Bregenzer Badeordnung stammt aus dem Jahr 1644. Damals wies die Stadtverwal­tung Frauen und Männern getrennte Badeplätze am See zu und setzte die Badezeit von acht bis neun Uhr abends fest. Diese Badeordnung galt bis ins 19. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert hatten die Bregenzerinnen und Bregenzer mehrere Möglichkeiten, im See zu baden. Sie konn­ten die öffentlichen Badeplätze nutzen oder eine der Badeanstalten an der heutigen Pipeline aufsuchen. Wer es sich leisten konnte, errichtete eine eigene Badehütte mit Garderobe.

Die erste Badeanstalt errichtete das Militär. 1825 wurde die Militärschwimmschule, heute „Mili“ genannt, eröffnet. In der Militärschwimmschule sollten Soldaten das Schwimmen lernen, denn schwimmen konnte früher kaum jemand. 1837 gab die Stadt Franz Xaver Dezel den Auftrag, eine öffentliche Badeanstalt für die Bregenzer Zivilbevölkerung zu errichten. Die „Dezel’sche Badeanstalt“ war ein reines Herrenbad und viel besucht. 1888 zerstörte ein Sturm die gesamte Anstalt. An ihrer Stelle wurde ein regelrechter Koloss auf Pfählen errichtet, die „Städtische Badeanstalt“. Sie war in ein Herren- und Frauenbad geteilt und diente in erster Linie der Körperhygiene. Eine Eintrittskarte galt nur für 30 Minuten.

Baden als Freizeitvergnügen entwickelte sich erst im Lauf des 20. Jahrhunderts. Mit dem zunehmenden Fremdenverkehr wuchs auch in Bregenz der Wunsch, gemeinsam mit der Familie zu baden. Das erste Familienbad wurde 1932 am heutigen Yachthafen eingerichtet. 1935 folgte die Eröffnung des Bregenzer Strandbads als modernstes Bad am Bodensee. Die „Städtische Badeanstalt“ verlor immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich 1948 abgerissen.

1979 wurde im Zuge der neuen Seeufergestaltung das Strandbad umgebaut und erweitert. Die Eröffnung des Bregenzer Hallenbads 1983 bot den Bregenzerinnen und Bregenzern schließlich Badevergnügen zu jeder Jahreszeit.

Weitere Informationenwww.martinsturmbregenz.at

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