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Kulturservice Bregenz: Ausstellungen 2021

Fünf Einzelausstellungen, eine Gruppenausstellung mit 16 Künstler/-innen und zwei thematische Ausstellungen zur Bregenzer Stadtgeschichte und Badekultur: so präsentiert sich das vielseitige Programm des Kulturservice Bregenz für das heurige Jahr.

Ausstellungsorte sind das Magazin 4, die Galerie Kirchstraße, das Palais Thurn & Taxis und der Martinsturm.

Im Mittelpunkt stehen u. a. die Themen Grenzziehungen und -überschreitungen, die Vielfalt von Lebenswelten in Zeiten digitaler Medien, stoffliche Handelsbeziehungen zwischen Vorarlberg und Nigeria sowie (die Suche nach dem) Glück. Die Spezial-Ausstellung „In memoriam Karl-Heinz Ströhle“ ist dem vor fünf Jahren verstorbenen Bregenzer Künstler gewidmet.

„HOLOBIONT.LIFE IS OTHER“
Mai – Juni 2021, Magazin 4

Der Begriff „Holobiont“ (aus griechisch „holos“ = „gesamt“ und „bios“ = „Leben“) beschreibt alle Lebewesen als Gesamtheit eines biologischen Systems, das aus einer Symbiose von Wirt (Mensch oder Tier) und anderen Arten (z. B. Viren und Bakterien) besteht. Jeder Mensch ist demnach ein Holobiont, fungiert er doch als wunderbarer Wirt für eine Vielzahl von Organismen, mit denen wir ein Leben lang interagieren. Dieses Sinnbild der Verknüpfungen zwischen Lebewesen und ihren Lebensweisen steht im Mittelpunkt der Gesamtschau „life is other“, die sich mit dem vermeintlich „Anderen“ auseinandersetzt, dem Menschen von heute als „transitorisches Wesen zwischen digitalen und molekularen Welten“. 

Im Magazin 4 öffnen sich für die Ausstellung HOLOBIONT zehn Bildräume, die von einem anderen Leben und vom Leben des Anderen erzählen. Die teilnehmenden Künstler/-innen erschaffen dabei einen „Holospace“ voller heterogener Ansätze und multipler Perspektiven für andere Blicke auf das Leben: Umwelt, Körper, Medien, Maschinen und biologische Organismen verdichten sich in zehn von Künstlerinnen und Künstlern programmierten Bildräumen. Zehn Tableaus füllen sich mit Bildern, Texten und Videos und werden partiell durch Objekte, Möblierungen und Handlungsanweisungen erweitert. Bildtafeln zwischen den Pfeilern, zwischen den beiden fensterlosen Wänden sowie an der Fassade des Magazin 4 schaffen das Layout für ein „Magazin im Magazin“. 

Mit Beiträgen u. a. von Franco Vaccari, Henrik Plenge Jakobsen, Orlan, Doran Sagan, Peter Weibel, die Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern zur Microperformität, u. a. Paul Vanouse, Klaus Spiess, Lucie Strecker, Thomas Feuerstein, Mariana Pérez Bobadilla, Rodrigo Guzman Serrano, Juan M. Castro, Akihiro Kubota, Agnes Meyer-Brandis, Adam Zaretsky, Chris Salter. Die Künstler/-innen werden eingeladen, jeweils einen Bildraum zu entwerfen. Die Ausstellung wird von Thomas Feuerstein (Künstler und Kurator), Lucie Strecker (Medienwissenschaftlerin und Künstlerin) und Judith Reichart (Leitung Kulturservice) kuratiert. 

Zwei Ausstellungen zur Stadtgeschichte 
1. Mai – 31. Oktober 2021, Martinsturm

Die Dauerausstellung „Bregenzt. Stadt am Bodensee“ führt die Eckpunkte der Stadtentwicklung vor Augen, ausgehend von der Römerzeit über die mittelalterliche Neugründung von Bregenz, weiter über den Kornhandel und den Bau der Eisenbahn als Motor der Industrialisierung bis hin zur heutigen Tourismusstadt. Auf der anderen Seite offenbart die Sonderausstellung „Kann denn Baden Sünde sein?“ Interessantes und Kurioses zur Geschichte der Bregenzer Badekultur seit dem 17. Jahrhundert. 

In memoriam Karl-Heinz Ströhle
„In Bewegung“
Juli – August 2021, Palais Thurn und Taxis

Die Landeshauptstadt Bregenz würdigt den 1957 in Bregenz geborenen und 2016 verstorbenen Künstler Karl-Heinz Ströhle in einer Einzelausstellung im historischen Palais Thurn und Taxis. Ströhle studierte am Mozarteum Salzburg und an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seit Mitte der 1980er Jahre waren seine Werke in vielen internationalen Ausstellungen zu sehen, seit 1994 war er im öffentlichen Raum mit zahlreichen Projekten vertreten. 2016 wurde ihm der renommierte Konstanzer Kunstpreis zuerkannt.

Sein künstlerisches Schaffen prägte neben der Malerei die Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Federstahl, den er für dreidimensionale, bewegliche Skulpturen und vielfältige Experimente zu Körper, Raum und Material verwendete. Die Schau Palais Thurn und Taxis wirft einen umfassenden Blick auf das vielfältige Schaffen des Künstlers. Eine detaillierte Dokumentation und Aufarbeitung der zahlreichen Werke des Künstlers zur Kunst am Bau ist ebenfalls Teil der Ausstellung.

Helmut King 
„Music is the best“ 
Juli – September 2021, Galerie Kirchstraße

Dem ebenfalls aus Bregenz stammenden Künstler Helmut King widmet sich die Galerie Kirchstraße von Juli bis September. Die Ausstellung „Music is the best“ zeigt das vielseitige und sehr bunte Schaffen des in Bregenz und Lindau lebenden Künstlers, dessen Leidenschaft zur Musik sich u. a. in seinen Interpretationen historischer Momente der Pop- und Rockgeschichte widerspiegeln. Kuratiert wird die Ausstellung von der Abteilung Kulturservice in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler.

 „Es gibt kaum ein Revier, das Künstler King nicht sofort markieren würde. Er zählt selber auf, wo er schon seine Farbspuren hinterlassen hat: auf Bildern, T-Shirts, Buttons, Segeln, CD-Hüllen, Postkarten, Holzplastiken, Bühnenbildern, Gartenzwergen, Hirschgeweihen, Polizeihelmen, Fensterläden … fehlen noch Pariser, Briefmarken, Telefonwertkarten, Eierkartons, Tischfußballtische, Gitarren, ganze Schlagzeugelemente. King bemalt, was ihm passt, und er malt auch, wie es ihm passt.“ (Kurt Bracharz)

ANNA JERMOLAEWA
JOE
Juli – September 2021, Magazin 4

Das Magazin 4 zeigt in den Sommermonaten eine Einzelausstellung der russischen Fotografin und Professorin an der Kunstuniverstität Linz, Anna Jermolaewa. Über die Ausstellung mit dem Titel „JOE“ schreibt die Künstlerin selbst: „Für meine Einzelausstellung im Bregenzer Magazin 4 diesen Sommer möchte ich mich, unter anderem, mit Vorarlberger Textilien für Nigeria befassen. 

Die Ausstellung wird aus einer großen Textilarbeit aus African Lace Stoffen bestehen
sowie einem Film über Produktion, Weiterverarbeitung und das Tragen vor Ort in Nigeria. Einen Teil des Films über die Produktion werde ich in Lustenau selbst filmen. Den zweiten Teil des Films über die Weiterverarbeitung und über die Leute, die die Kleider in Nigeria tragen, werde ich an eine Nollywood-Filmproduktion in Auftrag geben. Dies geschieht mit der großartigen Unterstützung der Außenstelle in Lagos“.

TOMI SCHEIDERBAUER
September – Oktober 2021, Magazin 4
Artist-in-Residence-Programm, Comeback-Stipendium 

Im Herbst präsentiert das Magazin 4 eine Ausstellung des in Hard geborenen Künstlers Tomi Schneiderbauer zum Thema „Grenzen überschreiten“. Die Ausstellung entsteht im Rahmen des Artist-in-Residence-Programmes und des in Kooperation mit dem Land Vorarlberg geschaffenen „Comeback-Stipendiums 2021“, mit dem im Ausland lebende und arbeitende Vorarlberger Künstler/-innen für ein paar Monate nach Hause „gelockt“ und der internationale Austausch gefördert werden sollen. Tomi Schneiderbauer, der seit vielen Jahren in Lecce in Süditalien lebt, konnte sich in einem intensiven Juryverfahren als Gewinner des dreimonatigen Stipendiums durchsetzen. Das Projekt zum Thema „Grenzen überschreiten“ wird er in den Sommermonaten in Bregenz erarbeiten und im Oktober im Magazin 4 präsentieren. 

Tomi Schneiderbauer über sein Projekt: "Ich bin ja selber ein Flüchtling. Allerdings floh ich entgegengesetzt – meine afrikanischen und arabischen Freunde flohen vor Krieg und bitterster Armut, ich floh vor Langeweile und Reichtum, und so trafen wir uns und stellten fest, dass wir zusammenarbeiten sollten. Wobei ich mit ‚Flüchtlinge‘ alle marginalisierten Gruppen meine, also z. B. auch behinderte oder transsexuelle Personen. Dasselbe möchte ich in Bregenz tun: Geflüchtete kennenlernen, erfahren was sie an Wünschen, Ideen und Fertigkeiten mitbrachten und dann gemeinsam sehen, welches ‚Werk‘, welche Werke oder welches praktische Projekt wir davon ableiten könnten. In Lecce wurde das eine ‚alternative Stadtkarte‘, die jetzt exklusiv von den Straßenverkäufern vertrieben wird. Ich bin gespannt, was es hier wird – jedenfalls soll es ein Etwas werden, das eine Brücke zwischen uns schlägt und hilft, Vorurteile und Ängste abzubauen."

HEIKE WEBER & WALTER EUL
Oktober 2021 – Jänner 2022, Magazin 4

Ebenfalls im Magazin 4 findet von Oktober 2021 bis Jänner 2022 die Ausstellung Heike Weber und Walter Eul statt. Mit ihren Arbeiten in Zusammenhang mit Kunst am Bau hat das Künstlerpaar ein internationales Standing und eine professionelle Reputation erlangt. Großformatige, raumgreifende Installationen, die Beschäftigung mit und Kombination von verschiedenen Materialen sowie sensible raumdefinierende Arbeiten prägen ihr Schaffen. Für das Magazin 4 erarbeitet das Künstlerpaar eine neue Arbeit zum Thema Glück, ein Zusammenspiel von Skulptur und Sound.

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