SOS-Heimspiel: Saisonabschluss in Bregenz
Seit Mitte Juni hieß es in Bregenz wieder jeden Dienstag: Heimspiel-Zeit. Der Sportplatz Achsiedlung und der Spielplatz Schachen verwandelten sich regelmäßig in kleine Fußballarenen.
Direkt vor der Haustür der Kinder entstand so ein lebendiger Ort für Spiel, Bewegung und Gemeinschaft. Das von SOS-Kinderdorf entwickelte Projekt hat sich auch in seiner zweiten Saison als voller Erfolg erwiesen.
Bewegung, Begegnung, Beteiligung
„Es ist einfach schön zu sehen, mit wie viel Vorfreude die Kinder jede Woche zum Heimspiel kommen. Viele sind sogar schon früher da, um keinen Moment zu verpassen“, erzählt Alexander Pichler, Projektkoordinator und Pädagogischer Leiter bei SOS-Kinderdorf in Vorarlberg. Von Juni bis September konnten Kinder aus der Umgebung spontan mitspielen. Es war keine Anmeldung nötig, keine Ausrüstung erforderlich, und auch Vorerfahrung spielte keine Rolle. Zwei kleine Tore, gelbe Bänkle und eine Portion Teamgeist reichten aus, um den öffentlichen Raum in einen kindgerechten Bewegungsort zu verwandeln. „Die Idee, den Fußball buchstäblich vor die Haustüre der Kinder zu bringen, geht weit über den Sport hinaus“, so Pichler. „Hier lernen Kinder spielerisch wichtige Dinge fürs Leben. Fairness, Teamgeist und Rücksichtnahme, aber auch Durchsetzungsvermögen und wie man Konflikte friedlich löst. Solche Erfahrungen stärken nicht nur jetzt, sondern ein Leben lang.“
Einfach zugänglich für alle Kinder
Die Teilnehmerzahlen stiegen im Laufe des Sommers auf durchschnittlich acht bis zehn Kinder pro Termin an. Auch Kinder aus der ersten Saison kamen wieder und übernahmen eine Vorbildrolle für die Jüngeren. Besonders erfreulich war, dass der Anteil an Mädchen mit rund 45 Prozent deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Fußballangebote lag. „Das zeigt, wie wichtig eine offene, wertschätzende Atmosphäre ist – gerade auch für Mädchen, die sich im klassischen Vereinsumfeld manchmal nicht angesprochen fühlen“, erklärt Pichler. „Heimspiel ist ein Ort, an dem Kinder spüren: Ich darf mitmachen. Ich werde gesehen. Ich gehöre dazu.“ Begleitet wurden die Spielnachmittage stets von mindestens zwei erfahrenen Pädagoginnen oder Pädagogen von SOS-Kinderdorf.
Spielraum ist kein Luxus, sondern ein Recht
„Immer mehr Kinder wachsen in Umfeldern auf, in denen es kaum zugängliche Orte zum Spielen gibt“, sagt Pichler. „Treffpunkte fehlen, viele Angebote sind teuer oder schwer erreichbar. Heimspiel setzt hier an. Wir schaffen Räume, in denen Kinder sich frei bewegen können, Neues ausprobieren und mit anderen in Kontakt kommen. Ganz ohne Leistungsdruck und mitten in der Nachbarschaft.“ Damit macht das Projekt deutlich, wie wichtig das Recht auf Spiel, Freizeit und Teilhabe ist – so wie es in der UN-Kinderrechtskonvention verankert ist.
Ausblick 2026: Heimspiel wächst weiter
Auch im kommenden Jahr soll Heimspiel in Bregenz fortgeführt und weiterentwickelt werden. Parallel dazu bereitet SOS-Kinderdorf eine Ausweitung des Projekts vor. Mit dem geplanten neuen Standortbüro von SOS-Kinderdorf in Hohenems entsteht dort ein stabiler Ausgangspunkt. Ziel ist es, noch mehr Kindern in Vorarlberg wohnortnahe Spiel- und Bewegungsräume zu ermöglichen.
Über Heimspiel
Das Heimspiel-Konzept wurde 2019 von SOS-Kinderdorf entwickelt und erstmals in Graz umgesetzt. Es wurde mit dem UEFA Children Award ausgezeichnet und ist heute in mehreren Städten vertreten. Dazu zählen unter anderem Wien, Salzburg, Innsbruck und seit 2024 auch Bregenz. Heimspiel Vorarlberg wird in Kooperation mit der Landeshauptstadt Bregenz durchgeführt und von The SOL Foundation unterstützt.
Weitere Informationen: www.sos-heimspiel.at/vorarlberg