Vandalismus an Billboards des Kunsthaus Bregenz
Die von der deutschen Künstlerin Anne Imhof gestalteten Außenflächen der KUB-Ausstellung "Wish You Were Gay" wurden Ziel homophober Gewaltakte.
In der Nacht auf den 23. Juli 2024 wurden an der Bregenzer Seestraße alle sechs KUB-Billboards durch einen Vandalismusakt mutwillig zerstört. Gezielt wurde aus den Flächen mit dem Titel der aktuellen KUB-Ausstellung "Wish You Were Gay" der Begriff "Gay" mit einem spitzen Gegenstand herausgeschnitten. Teilweise wurden die Werke großflächig zerstört. Entdeckt hat den Schaden frühmorgens Bürgermeister Michael Ritsch.
Anne Imhof reagierte in einem Instagram-Post betroffen und schrieb von einem Akt „gewalttätiger Aggression“. Es sei für sie sehr schmerzhaft, die Bilder anzugucken, so Imhof: „Ich bin zutiefst verletzt.“
Das Team des Kunsthaus Bregenz und Direktor Thomas D. Trummer zeigten sich entsetzt: „Das ist ein feiger Angriff auf die Kunst und auf die Menschenrechte. Homophobie darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben“, erklärt Thomas D. Trummer in einer ersten Stellungnahme.
Bürgermeister Michael Ritsch erklärte: „Die Landeshauptstadt Bregenz steht für Vielfalt und Toleranz. Solche Akte von Vandalismus und Hate Crime greifen nicht nur die Kunstfreiheit, sondern auch die Werte einer offenen und toleranten Gesellschaft an. Hier sprechen wir dieselbe Sprache: Nein zu Hass, Ausgrenzung, Diskriminierung und Homophobie!“
Der Gewaltakt wurde zur Anzeige gebracht.
Aktualisierung dieses Newsbeitrags vom 5. August 2024:
Unbekante Aktivist:innen haben die zerstörten Billboards im Rahmen einer sozialen Intervention mit dem Begriff "Tolerant" versehen und damit für den Titel "Wish You Were Tolerant" geworben. Mit dieser Aktion wude kreativ zur Diskursfähigkeit auf Augenhöhe aufgefordert. Anne Imhof zeigte sich darüber erfreut, die Aktion habe sie sehr berührt und ihr neue Hoffnung gegeben, schrieb sie dazu auf Instagram.
Das KUB hat inzwischen die zerstörten Billboards in Absprache mit der Künsterlerin ersetzt, auf Wunsch der Künstlerin hin durch eine Neuauflage in Schwarz-Weiß als Reaktion auf die Zerstörung der farbigen Flächen. Die neu produzierten KUB-Billboards mit dem Originalschriftzug „Wish You Were Gay“ wurden Ende Juli 2024 aufgehängt.
Aktualisierung dieses Newsbeitrags vom 28. August 2024:
Am 17. August wurden die eben erneuerten Plakatwände erneut Gegenstand von LGBTIQ+ feindlicher Gewalt. Mit einem Skalpell, so die Polizei, wurde aus 5 Billboards wieder der Begriff "Gay" gezielt herausgeschnitten. Um diesem queerfeindlichen Akt entgegenzutreten, haben am 20. August rund hundert Menschen gegen die mutwillige „Zerstörung“ der Billboard-Kunstwerke in Bregenz demonstriert. Noch sind die zerstörten Plakate an der Seestraße zu sehen. In einer sozialen Intervention wurde von Unbekannten an einem Billboard inzwischen der Begriff "GAY" auf die herausgeschnittene Leerstelle gesprüht.
Aktualisierung dieses Newsbeitrags vom 8. Oktober 2024:
Nachdem die Billboards in Absprache mit Anne Imhof erneuert wurden, dieses Mal in rein schwarz-weißer Ausführung, hingen die Plakatflächen für einige Zeit unbeschädigt in der Seestraße. Es kam jedoch im September zu einer erneuten gewaltvollen Zerstörung. Dabei wurde an fünf Billboards wiederum der Begriff "GAY" gezielt herausgeschnitten. Auch dieser Gewaltakt wurde zur Anzeige gebracht. Das KUB reagierte auf die erneute Zerstörung zeitnah und brachte neue Plakate an, diesmal mit einem in einem (hoffnungsvollen) Grünton ergänzten Schriftzug. Diese Plakate blieben bis zum Ende der Ausstellung von Anne Imhof am 22. September 2024 unbeschädigt.
