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Ego sum. Ich bin.
Marianne Greber

Die Landeshauptstadt Bregenz widmet sich in der Ausstellung EGO SUM. ICH BIN. dem Werk der Fotokünstlerin Marianne Greber. Vom 18. November 2018 bis zum 27. Jänner 2019 sind die aktuellsten Arbeiten der Bregenzerwälderin im Magazin 4 zu sehen. In ihrer Arbeit hat sich Marianne Greber immer wieder mit Extremsituationen und gesellschaftlichen Randthemen beschäftigt. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 17. November, um 19 Uhr.

Mittelpunkt Mensch
Marianne Greber setzt sich in ihrem fotografischen und auch filmischen Werk mit der modernen Gesellschaft und deren Existenz auseinander. Sie fokussiert ihre Arbeit auf Menschen, Lebens­sphären und -formen, Körper und Raum. Hierin setzt sie sich mit grenzüberschreitenden The­men und Tabus auseinander, die in einem politischen, historischen und/oder soziologischen Kontext stehen und sich mit dem Einfluss von Sexualität, Religion und Politik auf die Konstruk­tion von Identitäten beschäftigen.

Die teilweise großformatigen Fotowerke im Magazin 4 greifen ein hochaktuelles Thema auf. Es geht um transidente Menschen und um Personen, die sich nicht eindeutig als Frau oder Mann definieren. Der Begriff Transgender – oder transgeschlechtlicher Mensch – bezeichnet Menschen, die sich nicht oder nicht nur oder nicht immer in dem Geschlecht zu Hause fühlen, das in ihrer Geburtsurkunde steht. Transgender sind Menschen, die von den vorgegebenen Geschlechterrollen abweichen, ihr (biologisches) Geschlecht ihrem Empfinden anpassen oder wechseln. Einige definieren Geschlecht unabhängig von den vorgegebenen Kategorien Frau und Mann für sich ganz neu. Die Begriffe Transgender oder Trans stehen für eine bunte Vielfalt diverser transgeschlechtlicher Lebensentwürfe und sind eine Frage der Selbstdefinition.

Die Lebenssituationen in Südamerika und Europa sind sehr unterschiedlich. In Südamerika müssen Transgender – von der Schule, ihrem Zuhause und dem Arbeitsmarkt meist ausge­grenzt – ihr Leben und operative Eingriffe durch Prostitution finanzieren. Denn nur in der Prostitution billigt die Gesellschaft ihnen ein Stück Raum zu. Doch selbst dort werden sie zur Zielscheibe gesellschaftlicher Aggression von Spott und massiver Gewalt.

In Europa werden Transgender als „krank“ eingestuft und den Diensten und Einschätzungen des Gesundheitssystems überlassen. Transgender wollen aber nicht als krank gelten und sich für ihr Sein und ihre Lebensform permanent rechtfertigen. Sie fordern deshalb eine Mitbürger­schaft in den sich öffnenden Gesellschaften.

Die Künstlerin Marianne Greber, von jeher fasziniert von ungewöhnlichen Lebenswirklichkeiten und extremen Lebensentwürfen, sucht das Normale im faszinierend Anderen. Sie porträtiert transidente Menschen in unterschiedlichen Kulturkreisen. Sie schafft ein Bewusstsein für deren Lebenssituationen und Probleme und überzeugt in ihren Bildern vor allem durch Wertschätzung. Sie möchte ein Klima der Toleranz herstellen für ein Thema, das von sexualisierten und scham­besetzten Vorstellungen geprägt ist. Die Wünsche und Lebensentwürfe von Transgender-Menschen sollen als selbstverständlich angesehen werden.

Marianne Grebers künstlerische Arbeiten entstehen im Dialog mit Drag Queens, Transvestiten, transidenten Menschen, die keine Objekte fotografischer Neugier und künstlerischen Ausbeu­tungs­willens sind, sondern an einem partizipativen ästhetischen Prozess teilnehmen. Im diskursiven Austausch entstehen Ideen für Motivwahl, Bildkomposition und Strategien der Repräsentanz. Ihre Arbeit fühlt sich nicht der konventionellen Schönheit verpflichtet, sondern versucht, ästhetische Reize dort aufzuspüren, wo die meisten nicht hinsehen: in den Zonen jenseits von sexueller Kodifizierung und gesellschaftlichem Regelverhalten.

Marianne Grebers Fotoarbeiten thematisieren eine inszenierte Realität, in der sich Natur und Transgender in einem Spannungsverhältnis der Verfremdung befinden. Dabei ist der Mensch in seiner Vielfalt das zentrale Motiv. Die Darstellung der vielfältigen menschlichen Individualität zeugt von einer tiefen inneren Auseinandersetzung mit allen Facetten des Mensch-Seins.

Die Ausstellung EGO SUM. ICH BIN. zeigt Ausschnitte aus Marianne Grebers künstlerischer Arbeit mit Transgender-Menschen aus Lateinamerika, Japan, aus dem Allgäu und aus Bregenz. Ihre jüngste Arbeit aus Lima/Peru wird ebenso zu sehen sein wie die eigens für die Ausstellung im Magazin 4 erarbeitete Fortsetzung der Werkreihe „Das Letzte Abendmahl“ (Rio de Janeiro, Brasilien, 2008), „Das Erste Frühstück“ (Oita, Japan, 2016), „Die späte Siesta“ (Lima, Peru, 2018) sowie „Das tägliche Mittagsmahl“ (Bregenz, Österreich, 2018). Ergänzt wird die Aus­stellung durch Dokumentar- und Kurzfilme.

Die Ausstellung wird kuratiert von Jutta Dieing und Thomas Schiretz.

Biografie Marianne Greber
Marianne Greber stammt aus Andelsbuch und lebt heute in Wien. Ihre Arbeiten stehen in einem soziologischen, historischen und/oder politischen Kontext und setzen sich mit dem Einfluss von Arbeit, Religion, Politik, Sexualität, Gender, Technik und Architektur auf die Identität auseinan­der. Sehr früh ging Marianne Greber nach Südamerika, das der Ausgangspunkt ihrer künstleri­schen Karriere als Fotografin und Filmemacherin werden sollte. Ihr Thema sind Transgender und die damit verbundenen, oft grenzgängerischen Lebensformen. Marianne Greber wagte sich selbst oft an Grenzen heran, wenn sie Menschen in Extremsituationen begleitet und ihre Lebensweise porträtiert hat.

Marianne Greber hat u. a. in Havanna, Nagoya/Japan und in der Kunsthalle Wien ausgestellt und mit bekannten Künstlern zusammengearbeitet wie z. B. mit Steven Cohen und Tone Fink. Im Jahr 2015 ist die Publikation „Streckenwölfe" entstanden. Dabei hat sie ein Jahr lang mit 160 Mitarbeitern von Straßenmeistereien und Bauhöfen in Vorarlberg gearbeitet. Das Ergebnis ist ein besonderes Kunst-am-Bau-Projekt geworden, ein Fotobuch.

Ihr Semi-Dokumentarfilm VOM LEBEN DAZWISCHENDas dritte Geschlecht von Rio ist eine Koproduktion mit dem ORF (2008). Es erfolgten Ausstrahlungen im ORF und auf 3sat.

Teilnahmen:
The New York Festivals (NYF) International Television & Film Awards (2010) und 61. Prix Italia, Turin (2009), XI. Biennale Havanna, Kuba (2012) und Aichi Triennale, Nagoya, Japan (2010) mit dem südafrikanischen Künstler und Performer Steven Cohen.
Venedig Biennale 2005, Luxembourg Pavillon, weibliche Hauptrolle im Film von Antoine Prum Mondo Veneziano – High Noon in the Sinking City als Kuratorin/Amazone.

Einzelausstellungen, Beteiligungen an nationalen und internationalen Ausstellungen sowie Veröffentlichungen in nationalen und internationalen Medien, Büchern und Katalogen.

Rahmenprogramm und Vermittlung

Dialogführung
Sonntag, 18. November 2018, 17 Uhr
Jutta Dieing und Marianne Greber führen durch die Ausstellung

Dialogführung
Sonntag, 2. Dezember 2018, 17 Uhr
Thomas Schiretz und Marianne Greber führen durch die Ausstellung

Dokumentarfilm
Sonntag, 13. Jänner 2019, 10.30 Uhr, Magazin 4, Erdgeschoss
 „Vom Leben dazwischen – Das dritte Geschlecht von Rio“ – Eine Koproduktion von Marianne Greber mit dem ORF 2008

Der Dokumentarfilm von Marianne Greber folgt dem Leben von Luana Muniz, genannt auch die Patronin von Lapa (historisches Zentrum von Rio de Janeiro à la bohème), Transvestitin und Sexprofessionelle seit ihrem elften Lebensjahr. In Alltagsszenen, Interviews und Inszenierungen lernt der Zuschauer die vielfältigen Aspekte ihrer Persönlichkeit kennen, ihr Selbstbewusstsein, ihre Erfahrungen, ihre Lebenseinstellung, ihre Wünsche, ihre berührende Solidarität und ihren täglichen Kampf um Respekt.

Ein Film mit Luana Muniz und Alessandra Brasil/Mãe Xandinha, Giselle Brasil, Cláudio Oliveira Salcides, Luiz Guilherme P. M. de Moraes, Carla Muniz u. v. a. m., begleitet von den besonde­ren Stimmen von Rogéria und Lorna Washington.
Regie und Buch: Marianne Greber
Gestaltung: Marianne Greber, Christian Riehs
Kamera: Marianne Greber, Sylvestre Campe, Claus Rügner
Schnitt: Wolfgang Peschl
Gesang: Rogéria und Lorna Washington
Ausstattung: Emporio Almir França
Produktion: Jutta Kittner
Redaktion: Martin Traxl, Franz Grabner

Dialogführung
Sonntag, 13. Jänner 2019, 17 Uhr
Jutta Dieing und Marianne Greber führen durch die Ausstellung

Theater
Dienstag, 22. Jänner, und Mittwoch, 23. Jänner 2019, jeweils 20 Uhr, Theater Kosmos
Mittwoch, 23. Jänner 2019, 10 Uhr, Schulvorstellung
Di_Ver*se – ein Stück über die Vielfalt „Mensch“ von dieheroldfliri.at 

Ausstellungsinformationen
EGO SUM. ICH BIN. ist eine Ausstellung der Landeshauptstadt Bregenz in Zusammenarbeit mit T:K THEATERINKEMPTEN (Deutschland)

Dauer: 18. November 2018 bis 27. Jänner 2019, Magazin 4, Bergmannstraße 6, Bregenz
Eröffnung: 17. November 2018, 19 Uhr

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr (außer am 25. und 26.12.2018 und am 01.01.2019)

Sponsoren und Förderer
Die Landeshauptstadt Bregenz bedankt sich bei ihren Partnerinnen und Partnern für die großzügige finanzielle und/oder sachliche Unterstützung und das damit verbundene kulturelle Engagement:

Land Vorarlberg
Silvretta Holding GmbH
Bioland Gärtnerei Wolfgang Seiler
Musikhaus Kaufmann
Bischofberger Transporte GmbH
Wasserrettung Bregenz
Stadtwerke Bregenz GmbH
komitee eventservice marberger gmbh
Burgrestaurant Gebhardsberg
Festspielhaus Bregenz

Natur-Alphornbläser
Pius Feurstein
Albert Hensler
Siegfried Stemmer

Protagonistinnen und Protagonisten
Elena Ehret, Christin Löhner, Michelle Löhner, Elias Hamann, Jessica Hamann, Josie Hamann, Vivian Jentz, Fransiska Jung, Sarah Mistura, Julia Parth und Patrick Wennrich

Fotos