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Quartiersentwicklung Leutbühel: Archäologische Baubegleitung

Im Zuge der Quartiersentwicklung des Leutbühels startete Mitte September die Umsetzung des ersten Bauabschnitts zur Umgestaltung der Kirchstraße und der Römerstraße. Der Leutbühel, der östliche Bereich der Römerstraße und der untere Teil der Kirchstraße befinden sich in einer archäologischen Fundzone. Bei Bauarbeiten wurden 1968 bis 1969 Reste einer spätrömischen Anlage und eines vermutlich valentinianischen Kleinkastells entdeckt.

Deshalb hat die Landeshauptstadt Bregenz bereits vor Baubeginn im September die Firma Talpa GnbR aus Tirol mit der archäologischen Baubegleitung beauftragt. Talpa führt Sondierungen und wissenschaftliche Untersuchungen nach dem neuesten Stand der Technik streng nach den aktuellen Richtlinien des Bundesdenkmalsamtes durch.

Bei den Bauarbeiten in der Römerstraße stieß man nun auf archäologische Spuren, die in enger Abstimmung mit Mag. Dr. Andreas Picker vom Bundesdenkmalamt dokumentiert und kartografiert werden. Die archäologische Baubegleitung wird über die gesamte Bauphase hinweg in der Fundzone weitergeführt.

Aufgrund der bereits im Vorhinein geklärten engen Zusammenarbeit mit der städtischen Abteilung für Planung und Bau bleiben die Bauarbeiten im Zeitplan, und es ist derzeit nicht mit Bauverzögerungen zu rechnen.

Bürgerinformation und Baustellenführung am Freitag, 19. Oktober 2018
Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich über die aktuellen Baumaßnahmen im Rahmen der Quartiersentwicklung am Freitag, 19. Oktober 2018, von 16 bis 17 Uhr vor Ort informieren. Expertinnen und Experten werden über den Bauabschnitt 1 informieren, Bürgermeister DI Markus Linhart, Dr. Bernhard Fink, Leiter der Abteilung Planung und Bau, sowie Stadtarchivar Mag. Thomas Klagian stehen ebenso für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung.

Weitere Information:

Das römische Bregenz als digitaler Stadtplan
In Österreich einzigartig ist der digitale „römische“ Stadtplan der Landeshauptstadt Bregenz. Bregenz war vor rund 2.000 Jahren unter dem Namen „Brigantium“ ein bedeutendes Zentrum für die Region. Dieses befand sich vor allem auf dem Plateau des heutigen Ölrains und wurde seit dem 19. Jahrhundert ausgegraben und erforscht. Bei den archäologischen Funden handelt es sich insbesondere um Reste von Holz- und Steingebäuden, um Straßen und Gräberfelder, aber auch um unzählige Kleinfunde, die – soweit nicht zerstört – meistens wieder zugeschüttet wurden.

Auf der Grundlage dieser ersten Ausgrabungen konnte dann Samuel Jenny im Jahr 1898 einen ersten Übersichtsplan von „Brigantium“ erstellen. 1985 wurde dieser Plan im Zuge des 2.000-jährigen Jubiläums der Eroberung des Alpenraums durch die Römer von Christine Ertel mit wissenschaftlichen Erkenntnissen des 20. Jahrhunderts ergänzt und erneut veröffentlicht. Und 2005 arbeitete Florian Schimmer die jüngsten Untersuchungsergebnisse in die vorhandenen Unterlagen ein. Allen diesen analogen Plänen war jedoch eines gemeinsam: Für eine geografisch exakte Darstellung reichten sie nicht aus. Vor wenigen Jahren entstand daher seitens der Archäologen Mag. Dr. Andreas Picker vom Bundesdenkmalamt und Dr. Karl Oberhofer von der Universität zu Köln die Idee, den Stadt­plan von „Brigantium“ ins 21. Jahrhundert zu befördern.

Weit über eine einfache Digitalisierung der analogen Pläne hinausgehend, war es notwendig, die zahlreichen und teilweise 100 bis 150 Jahre alten Originalpläne der verschiedenen Ausgrabungsperioden einzeln bezüglich ihrer Lagerichtigkeit im modernen Kataster zu überprüfen. Daraus entstand eine Kooperation zwischen dem Bundesdenkmalamt, der Universität Innsbruck und dem Vorarlberg Museum. Die technische Umsetzung lag bei der Firma Talpa.

Der römische Stadtplan wurde somit auf digitaler Basis neu gezeichnet und in das Geografische Informationssystem (GIS) der Stadt eingebunden. Diese Implementierung übernahm der Leiter der verantwortlichen städtischen Dienststelle, Hans Bischof.

Durch diese in Österreich einzigartige Lösung können sowohl Denkmalpflege als auch Stadtplanung auf ein exaktes Planungsinstrument zurückgreifen. Aber auch geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger können sich jederzeit über die städtische Website (www.bregenz.gv.at/) über das antike „Brigan­tium“ informieren. Dabei stehen nicht nur die bloßen Grundrisse zur Verfügung. Es können ebenso die Spuren des römischen Bregenz mit dem aktuellen Luftbild überblendet und zusätzlich Informationen zu den jeweiligen Stadtquartieren abgerufen werden.

Weitere Informationen zum GIS:
https://www.bregenz.gv.at/rathaus/presseinformation/geografisches-informationssystem/

http://webcity.bregenz.at/

Allgemeine Informationen zur Quartiersentwicklung Leutbühel:
www.bregenz.gv.at/quartiersentwicklung

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