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DA.ZWISCHEN


Bregenz. Unter dem Titel DA.ZWISCHEN werden vom 2. bis 31. März 2019 Werke von jeweils vier Vorarlberger und Südtiroler Künstlerinnen und Künstler im Magazin 4 (2. OG) präsentiert. Das Grenzüberschreitende, das Gemeinsame und somit gegenseitig Bereichernde, das einen derartigen Kulturaustausch zwischen zwei Regionen ausmacht, findet bei DA.ZWISCHEN seine künstlerische Entsprechung.Kuratiert wird die Ausstellung von der aus Bregenz stammenden Künstlerin Bella Angora.

Gezeigt werden Arbeiten von Südtiroler und Vorarlberger Künstlerinnen und Künstlern, die sich mehrheitlich zwischen den Medien bewegen. Sie überschreiten immer wieder Grenzen, um das Verbindende zu suchen oder den spezifischen kreativen Ausdruck in den Zwischenbereichen der medienübergreifenden Arbeit auszuloten. Ein besonderer Stellenwert wird in diesem Zusammenhang dem Medium Performance eingeräumt. Alle teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler verwenden diese oftmals als Ausgangspunkt für weitere transmediale Prozesse. Die damit verbundene persönliche Präsenz – dieses DA sein - zieht sich als roter Faden durch die interdisziplinären Ausdrucksformen.

Die Ausstellung DA.ZWISCHEN ist ein Austauschprojekt zwischen der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, dem Land Vorarlberg und der Landeshauptstadt Bregenz.

Mit Arbeiten von Alexandra Berlinger, Hannes Egger, Michael Fliri, Ingrid Hora, Sabine Marte, Andrea Salzmann (mit Sebastian Meyer), Thomas Sterna und Viktoria Tremmel
Kuratorin: Bella Angora

Eröffnung der Ausstellung DA.ZWISCHEN
Freitag, 1. März 2019, um 18 Uhr

Ausstellungsdauer
2. bis 31. März 2019

Öffnungszeiten
Di bis So jeweils 12 bis 18 Uhr (außer 3. und 5. März 2019)

Begleitprogramm

Freitag, 8. März 2019 um 17 Uhr

  • Führung durch die Ausstellung mit Bella Angora, anschließend Textperformance „Ill“ von Daniel Wisser

Dienstag, 19. März 2019 um 17 Uhr

  • Führung durch die Ausstellung mit Winfried Nußbaummüller

Freitag, 22. März 2019 um 17 Uhr

  • Führung durch die Ausstellung mit Bella Angora

Samstag, 30. März 2019 um 18.30 Uhr

  • Künstlergespräch
  • ab 20 Uhr ein Konzert mit Pendler (im EG)

Werkbeschreibungen und Biografien

Alexandra Berlinger (*1970, Bregenz) arbeitete die letzten 10 Jahre als Teil der Gruppe „tat ort“ an ortsspezifischen und kontextbezogenen Interventionen, seit 2017 liegt ihr Fokus auf ihrer stetig wachsenden Bildersammlung. Gefundenes digitales Bildmaterial, welches sie beim schnellen Durchschauen kassiert, wird so belassen, missinterpretiert, in ein anderes Medium überführt, weiterbearbeitet, oder nachgebaut und wiederum abfotografiert. Jedes Element, jede Situation, jeder Umstand im Prozess hat die gleiche Wertigkeit und wirkt potenziell mitgestaltend.
Für DA.ZWISCHEN sammelte Alexandra Berlinger Fotos von Gegenständen, die weggegeben werden und bereit sind, die Besitzer zu wechseln und die gleichsam eine seltsame Aura vermitteln. Dinge des ehemaligen Begehrens, in Warteposition. Getragen, benutzt, abgestellt, ausrangiert. Das Dazwischen als Zustand.

Hannes Eggers
(*1981, Bozen) Zugang ist konzeptioneller und partizipativer Natur. In seinen Werken spielt häufig das Publikum eine entscheidende Rolle. Die in der Ausstellung präsentierte „Performance Exercises I- X“ ist eine Serie von akustischen Übungsanleitungen zu performativen Handlungen in der Ausstellung und mit den anderen Besucherinnen und Besuchern. Das Publikum nimmt dabei die Rolle der Performerinnen und Performer ein und handelt und verändert somit bewusst den Ausstellungsraum. Die Handlungsanweisungen sind insofern aufgebaut, als dass ihre Schwierigkeit aufsteigend zunimmt. Es wird also geraten mit der ersten Übung zu beginnen und sie fortlaufend durchzuführen. Mit der zweiten Installation „Performance Now“ hingegen lädt der Künstler ein, von einer Umkleidesitzbank aus zu agieren.

Michael Fliris
(*1978, Taufers) Kunstpraxis ist an der Schnittstelle von Performance, Skulptur, Fotografie und Video angesiedelt. Seine Arbeiten, die nicht in einer Definition zusammengefasst werden können, untersuchen Konzepte wie Metamorphose, Mutation und Verkleidung. Die Protagonisten seiner Arbeiten - oft der Künstler selbst - durchlaufen kontinuierlich einen Veränderungsprozess, in dem Körper, Landschaft und Metaphern zu einem fesselnden Ganzen verschmelzen.
Fliri zeigt die Skulptur „Gloves“, eine Fotoarbeit aus der Serie „My private fog“, sowie die neue Fotoserie „Polymorphic Archetypes“. Alle Arbeiten präsentieren unterschiedliche Variationen des Dazwischen, wobei jeweils das Zusammenspiel zwischen Körper und Material Formen ermöglicht, deren Ausdruck den Betrachter/die Betrachterin exakt dort erreicht, wo Eindrücke zu Gefühlen gewandelt werden.

Ingrid Hora
(*1976, Passeiertal) stellt die „Normalität“ in Frage und sieht sie nur als eine von vielen Alternativen. Hora beschäftigt sich in letzter Zeit intensiv mit Gruppen und deren kollektives Verhalten. Sie greift auf spezifische geschichtliche und geographische Kontexte zurück und testet die überschattende Zerbrechlichkeit einer Gruppe. Ingrid Hora gibt dabei keine didaktischen Antworten, sondern bietet poetische Beobachtungen von einer Welt, die sein kann oder ist.
Die Künstlerin präsentiert in der Ausstellung zwei Videoarbeiten sowie Objekte aus ihrem neuesten Projekt „Same Same But Different“, in welcher sie sich mit den unterschiedlichen soziokulturellen und anthropologischen Dynamiken, die sich zwischen Sizilien und Südtirol entwickelt haben, befasst

.Sabine Marte (*1967, Feldkirch) arbeitet medienübergreifend in den Bereichen Videokunst, Zeichnung, Musik und Performance. Ihre Arbeiten wurden mit etlichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, u.a. mit dem Staatsstipendium für Video- und Medienkunst, dem Diagonale-Preis für Innovatives Kino und 2018 mit dem FC Gloria Filmpreis.
Sabine Marte plant eine filmische Installation, in der mit präzisen auf den Raum abgestimmten Lichtanimationen gearbeitet wird. Die Projektion wird so in den Raum gesetzt, dass die darin sich bewegenden Besucherinnen und Besucher immer wieder zwischen der Projektion und dem Bild zu stehen kommen. Als zweite Arbeit zeigt sie eine Wandzeichnung direkt im Ausstellungsraum. Das Motiv der Zeichnung ist eine abstrahierte, dennoch figurative, offene Körperformation, die eng in Bezug zum Raum gesetzt wird. Ein Körper also, der sich erst im Verhältnis zum Raum bilden kann, eben durch das eigene, offen gelassene Körper-Sein.

Sebastain Meyer
(*1985, Wien) ist seit 2001 als Musikproduzent, Sounddesigner und Tontechniker tätig. Er war Schlagzeuger der Wiener Neustadt Punkband The Tiger Mess, seit 2014 ist er festes Mitglied der Wiener Band pop:sch. Künstlerische Kollaborationen in den Bereichen Performance und Bildende Kunst u.a. mit Teresa Vittucci, Andrea Salzmann, Roland Reiter, Stefano Curto, Anna Skischally, Jörg Zemmler, Wealth, M185. Seit 2018 studiert er an der Akademie der Bildenden Künste Wien im Fachbereich Kunst und digitale Medien.

Andrea Salzmann
(*1979, Bregenz) setzt sich in ihren Arbeiten mit gesellschaftlichen Zusammensetzungen und damit einhergehenden politischen Veränderungspotentialen auseinander. Die dafür eingesetzten Materialen und Bezüge sind sehr vielfältig und bewusst nicht nur einem Genre zuzuordnen. So arbeitet sie gerne in einer Mischung aus Live-Performance und Installation, aber auch Collagen, Videos und Fotografie sind Teil ihrer Arbeitsweise.
Andrea Salzmann zeigt eine Rauminstallation, in welcher sie italienische und österreichische Asylstatistiken in ein Verhältnis setzt. Sie verwendet dabei die Zahlen der gestellten aus insgesamt 35 Jahren. Diese Zahlen übersetzt sie in eine begehbare Installation aus Spiegelkreisen.

  • im Rahmen der Eröffnung: „Who is speaking“, eine Performance von Andrea Salzmann, Sabine Marte und dem Musiker Sebastian Meyer.

Thomas Sternas (*1958, Südtirol) Arbeit der letzten Jahre umfasst Installationen, Performances und Eingriffe im öffentlichen Raum, welche Problemfelder umkreisen, die sich aus der zunehmenden Polarisierung des Kunstbetriebs ergeben.
Das Dazwischen umschreibt für ihn treffend das unscharf begrenzte Feld all seiner Recherchen und Experimente der letzten 30 Jahre. Es steht zugleich für eine performative Praxis, die formal zwischen Skulptur, Installation, Sound und Video angesiedelt ist und insofern auch der mittlerweile akademisierten reinen Lehre der Aktionskunst widerspricht.

  • im Rahmen der Eröffnung: „On or Gone“, eine Performance von Thomas Sterna

In Viktoria Tremmels (*1972, Lauterach) Werken ist das Dazwischen konstitutiv und wird in verschiedener Weise von ihr konkretisiert. Generell ist es die Erfahrung, die darin besteht, dass ein Bild zu sehen ist, von dem man gleichzeitig weiß, dass es bedeutungsvoll ist, der Sinn des Ganzen sich jedoch nicht gleich erschließen lässt. Es ist dies die Erfahrung einer prinzipiellen Distanz.
Für Viktoria Tremmel entsteht aus dem Dazwischen das Neue, sowie auch Figuren des Noch-Nicht und des Dazwischen selbst, die konkret sein können. Wie etwa in den Figuren des Gastes, der Reisenden oder auch Flüchtenden, die nun eine Serie von neuen Zeichnungen initiierten und im Rahmen der Ausstellung erstmals gezeigt werden. Außerdem zeigt sie die Videoinstallation „Guarda“.

Daniel Wisser (*
1971, Klagenfurt) ist Schriftsteller und hat fünf Romane geschrieben. Mit „Königin der Berge“ (2008) wurde er mit dem Österreichischen Buchpreis und dem Johann-Beer-Preis ausgezeichnet.
Daniel Wisser zeigt eine Textperformance mit dem Titel „Ill“. Die Performance besteht aus sehr kurzen (ca. 30 - 90 Sekunden langen) Erzählungen, die vom Autor frei vorgetragen werden. Die Texte, die stets auch regionale Bezüge aufweisen, erzählen vom Verschwinden und Vergessen, thematisieren das Abwesende, Verborgene und Imaginierte.

Die Band Pendler sind Markus Marte, Sabine Marte und Oliver Stotz. Die Band begann als reines Homerecording-Projekt unter Freundinnen und Freunden, entwickelte sich zu einer multimedialen Formation, die sowohl für die Musik als auch für die visuelle Umsetzung verantwortlich zeichnet. Aus verschiedenen künstlerischen Bereichen wie Musik, Videokunst, neue Medien und Performance kommend, wurde dieses Projekt von vorn herein als medienübergreifend gedacht, das keine Scheu vorm Experiment hat. Das vierte „Bandmitglied“ bei Pendler sind die den Stücken zugrundeliegenden Videos. Sie bilden die Schnittstelle, an der sich die Songs mit den zum Teil synchronisierten Bildern reiben und live so manche Grausamkeit beisteuern.

Bella Angora
(*1968, Bregenz) versucht in ihren performativen, multimedialen Projekten unterschiedliche Aspekte ihres künstlerischen Oeuvres zusammenzuführen, das Video, Zeichnung, Objekt, Text, Sprache, Musik, Sound und Gesang umfasst. Durch das Zusammenspiel mehrerer Medien sollen unterschiedliche Wahrnehmungsebenen erreicht und ihre Arbeiten gleichermaßen emotional wie intellektuell fassbar gemacht werden.
Nachdem sie 2016 im Rahmen des Projektes perFOURmance in die Südtiroler Kunsthalle Eurocenter eingeladen wurde, entstand bei ihr die Idee für DA.ZWISCHEN. Sie wollte einen künstlerischen Austausch zwischen Vorarlberg und Südtirol initiieren, bei welchem das Grenzüberschreitende im Zentrum steht. Etwas, das die beiden Regionen schon vor langer Zeit verbunden hat, als zahlreiche Südtirolerinnen und Südtiroler im Zuge des Hitler-Mussolini-Abkommens die Grenzen u. a. in Richtung Westen überschritten, um etwas Neues – ein neues Leben zu beginnen.


Die Landeshauptstadt Bregenz bedankt sich bei:

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