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Neues Vermittlungsprogramm der Landeshauptstadt Bregenz

Rundgang: Widerstand, Verfolgung und Desertion

Im Auftrag der Landeshauptstadt Bregenz entwickelte _erinnern.at_ (Institut für Holocaust Education des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung) im Gedenkjahr 2018 ein neues Vermittlungsprogramm für Schülerinnen/Schüler, Studierende und Lehrende sowie alle Interessierten.

Ausgehend vom Widerstandsmahnmal werden in inhaltlicher Verbindung mit weiteren historischen Orten die Themen Widerstand, Verfolgung und Desertion im Rahmen eines dialogischen Rundgangs behandelt.

Seit 2002 besteht in Bregenz bereits ein Gedenkweg, der anlässlich des Bodenseekirchentags errichtet wurde. Im Jahr 2015 ist am Bregenzer Sparkassenplatz das von der Künstlerin Nataša Sienčnik gestaltete Widerstandsmahnmal installiert. Das Mahnmal erinnert an alle Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, die dem nationalsozialistischen Unrechtsregime den Gehorsam verweigert oder aufgekündigt haben, darunter auch viele Menschen, die erst 2009 politisch und juristisch rehabilitiert worden sind. Damit rücken jene in den Vordergrund, die unter Todesgefahr Zivilcourage bewiesen und Menschlichkeit gezeigt haben, die von ihren Prinzipien, Werthaltungen und Anschauungen nicht abwichen und dafür mit ihrem Leben einstanden.

Seit 2002 besteht in Bregenz bereits ein Gedenkweg, der anlässlich des Bodenseekirchentags errichtet wurde. Der neue Rundgang nimmt ausgehend vom Widerstandsmahnmal unter anderem Stationen und Themen des Gedenkweges auf. Das neu konzipierte Vermittlungsprogramm ist bewusst interaktiv gestaltet. Anhand von historischen Quellen wie etwa Fotos oder Briefen soll zu Diskussionen angeregt werden. Die Orte werden begleitet erkundet und gemeinsam entdeckt. Ziel ist es, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene Fragen kritisch formulieren.


Die Stationen des Rundgangs im Detail
1.     Das Widerstandsmahnmal als Ausgangspunkt
2.     Die Römerstraße mit dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier
3.     Die Deuringstraße mit der Werkstatt des Wehrdienstverweigerers Ernst Volkmann
4.     Der Leutbühel mit dem Geburtshaus von Karoline Redler
5.     Der Kornmarktplatz

Die Idee zum neuen Vermittlungsprogramm wurde von der Stadt Bregenz an _erinnern.at_ herangetragen. Unter fachkundiger Anleitung von Maria-Theresia Moritz und Werner Bundschuh erarbeitete ein neu zusammengestelltes Team von Vermittlerinnen und Vermittlern diesen Rundgang. Die Stationen zeigen die verschiedenen Formen von Widerstand, die anhand verschiedener Biografien betrachtet werden – von Widerstand, Widersetzlichkeit über Desertion oder Kriegsdienstverweigerung bis hin zu sogenannter „Wehrkraftzersetzung.“

1. 
Das Widerstandsmahnmal

Auf dem Sparkassenplatz in Bregenz macht seit 2015 ein ungewöhnliches Objekt auf sich aufmerksam. In gleichmäßigen Intervallen hallt ein Rattern über den Platz, eindringlich und sanft zugleich. Erzeugt wird der Ton von einer Fallblattanzeige, die an alte Abfahrtstafeln auf Bahnhöfen erinnern mag und die Passantinnen und Passanten um ihre Aufmerksamkeit bittet.

In einer Endlosschleife sind die Namen und Daten von 100 Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern zu lesen, die dem nationalsozialistischen Unrechtsregime den Gehorsam verweigert oder aufgekündigt haben. Sie stehen stellvertretend für Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer, Wehrdienstverweigerer und Deserteure sowie Bürgerinnen und Bürger. Die Auswahl der Personen, deren Schicksale exemplarisch für viele mehr stehen, wurde gemeinsam mit dem Historiker Werner Bundschuh getroffen. Ihre Namen werden in alphabetischer Reihenfolge angezeigt, bewusst ohne Hierarchie oder Gewichtung in ihrer Positionierung.

2. 
Römerstraße

An der Ecke Montfortstraße/Römerstraße steht das Haus Römerstraße 7. Ein unscheinbares Gebäude. Unter dem harmlosen Namen „Grenzpolizeikommissariat Bregenz“ verhörte und folterte hier die Gestapo.

3. 
Deuringstraße

Während der NS-Zeit betrieb Ernst Volkmann seine Gitarrenbauerwerkstatt in der Deuringstraße, die er jedoch schließen musste. Aus Glaubensüberzeugung war er nicht bereit, für das NS-Regime in den Krieg zu ziehen. Es wurde ihm seine Gewerbeberechtigung entzogen, was ihm die Existenzgrundlage für sich und seine Familie nahm. Man lieferte ihn in die Psychiatrie ein und wollte ihn für unzurechnungsfähig erklären, was ihm einen Ausweg vor der Hinrichtung geboten hätte. Er blieb jedoch bei seiner Weigerung und wurde daraufhin hingerichtet.

4. 
Leutbühel

Am Leutbühel steht das Geburtshaus der Karoline Redler, die eine sozial engagierte Geschäftsfrau und Mutter war. Sie wurde in einem Wartezimmer in ein Gespräch mit zwei Frauen verwickelt, die sich über die Bombardements der Alliierten aufgeregt hatten. Sie meinte daraufhin, dass Hitler daran schuld sei, da er der Kriegstreiber gewesen wäre und bezweifelte den Endsieg. Die Frauen denunzierten Redler und es wurde an ihr als christlich-sozialer Oppositioneller ein „Exempel statuiert“. Sie wurde in Wien hingerichtet.

An dieser Station wird auch an Maria Stromberger gedacht, die als Krankenschwester in die Geschichte als „Engel von Auschwitz“ einging, da sie vielen Häftlingen Nahrungsmittel und Medikamente zukommen ließ und sie versteckte, um sie vor der Vergasung zu bewahren. Auch der Widerstandsbewegung ließ sie Informationen zukommen. Nach Ende des Krieges wurde sie im Zuge der Entnazifizierung zusammen mit Nationalsozialisten interniert. Ehemalige Häftlinge von Auschwitz, denen sie geholfen hatte, bewirkten ihre Freilassung.

5. 
Kornmarktplatz

Der Kormarktplatz hieß damals Adolf-Hitler-Platz. Schon am 13. März 1938, also am Tag nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich, wurde hier eine große propagandistische Veranstaltung abgehalten, um die Bevölkerung für die NS-Ideologie zu begeistern.

Weitere Informationen

Der Rundgang dauert zwei Stunden und wird von einem engagierten Team von Vermittlerinnen und Vermittlern betreut und durchgeführt: Karl Dörler, Kurt Nachbaur, Stefanie Preiner, Angelika Purin, Ulrike Rinderer und Thomas E. Wanger.

Buchungen über die Website des Widerstandsmahnmals:
www.widerstandsmahnmal-bregenz.at

Auf der Website sind Unterrichtsmaterialien zu den Themen Widerstand, Verfolgung und Desertion für Schülerinnen und Schüler ab der 8. Schulstufe zu finden.

Tarife

Schulklassen ab der 8. Schulstufe (NMS, AHS, BHS, Berufsschulen):
bis 15 Schülerinnen/Schüler: 20 Euro
16 bis 30 Schülerinnen/Schüler: 30 Euro

Fachspezifische Gruppen (Lehrende und Studierende):
bis 15 Personen: 45 Euro
16 bis 30 Personen: 90 Euro

Andere Gruppen:
bis 15 Personen: 80 Euro
16 bis 30 Personen: 160 Euro

Informationen zum bereits bestehenden Gedenkweg finden Sie ebenfalls unter http://www.widerstandsmahnmal-bregenz.at/wp-content/uploads/2018/03/Gedenkweg-Bregenz_2013.pdf

Rückfragehinweis für die Redaktionen:
Stadtarchiv der Landeshauptstadt Bregenz, Mag. Thomas Klagian unter der Telefonnummer +43 (0)5574 / 410-1560 oder per E-Mail unter stadtarchiv(at)bregenz.at

Alle Informationen finden Sie  unter www.widerstandsmahnmal-bregenz.at

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