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Stadt ergänzt Klimawandelanpassungsstrategie durch Maßnahmenplan

Wie anderswo sind auch in der Landeshauptstadt die Anzeichen der Klima­veränderung längst spürbar. Dazu zählen eine Zunahme der Hitzetage, Starkniederschläge, Hochwasserereignisse, Murenabgänge, Rutschungen etc. Als erste Gemeinde Vorarlbergs hat Bregenz daher schon 2017 begonnen, in Kooperation mit dem Land, dem Energieinstitut und den Stadtwerken eine Klimawandelanpassungsstrategie zu erarbeiten. Sie wurde schon im Juli 2018 beschlossen. Nunmehr wurde – interdisziplinär und mit politischer Beteiligung – ein erster Maßnahmenkatalog bzw. Aktionsplan für 2019 und 2020 erstellt und am 2. Juli im Stadtrat ge­nehmigt. Darin sind mehrere Grobziele enthalten.

Weiterentwicklung grüner Netze
Bei der Überarbeitung des „Räumlichen Entwicklungskonzepts“ (REK) zu einem „Räumlichen Entwicklungsplan“ werden Alleen, Biotopflächen, Begrünungen etc. als planerische Aspekte berücksichtigt. Mit Baumpflanzungen im öffentlichen und privaten Raum sollen Temperaturen bei Hitzetagen gemildert, Luftschadstoffe besser ausgefiltert und die Retention (Wasserspeiche­rung) bei Starkniederschlägen erhöht werden.

Neue Katastrophenschutz- und Einsatzpläne
Die Aktualisierung bestehender Katastrophenschutz- und Einsatzpläne soll im Ernstfall die Minimierung von Schäden und den größtmöglichen Schutz der Bevölkerung sicherstellen.

Klimaanalyse für Bregenz
Für künftige Planungen soll eine eigene Klimakarte von Bregenz die Temperaturverteilung in der Stadt und allfällige Problembereiche sichtbar machen.

Informationskampagne
Für das Jahr 2020 wird gemeinsam mit den 2000-Watt-Partnerstädten Feldkirch, St. Gallen, Winterthur, Singen, Konstanz, Radolfzell und Lindau eine Kampagne vorbereitet, die sich an die Bevölkerung in der Region richtet und aufzeigt, was jede und jeder tun kann, um sich bestmög­lich an die Folgen eines sich verändernden Klimas anzupassen.

Außerdem soll bis Ende 2019 gemeinsam mit den plan-b-Gemeinden eine Modellregion für die Klimawandelanpassung geschaffen werden. Dazu gehört auch die Ausarbeitung einer regio­nalen Anpassungsstrategie samt Maßnahmen. Dass Bregenz in Bezug auf das Thema „Klimawandel“ keineswegs nur auf einer theoretischen Ebene agiert, sondern längst aktiv ist, zeigen Dutzende Maßnahmen, die schon heute umge­setzt werden.

Maßnahmen in Umsetzung (Auszug)

  • Die Forstprojekte Känzelefelsen und Fluh-Nollen zielen ab auf junge, stabile und an den Klimawandel angepasste Waldbestände, die vor Rutschungen und Steinschlägen schützen.
  • Die jährliche Erfassung/Bewertung des öffentlichen Baumbestandes durch die Stadtgärtnerei stellt sicher, dass wohltuende Schattenspender möglichst lange gesund erhalten bleiben.
  • Bei kommunalen Neubauten tragen begrünte Flachdächer zur Naturvielfalt, Kühlung und Verringerung von Abflussspitzen bei Platzregen bei.
  • Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser in Krisenzeiten ist durch Trinkwassernotverbünde mit den Nachbargemeinden gewährleistet.
  • Bei der Pflege der städtischen Grünanlagen wird seit Jahren auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln verzichtet. Im Interesse des Schutzes der Artenvielfalt von Insekten – z. B. von Bienen – werden von der Stadtgärtnerei insbesondere auch naturnahe Grünflächen angelegt.

Bregenz ist seit 2008 Mitglied im e5-Netzwerk der energieeffizienten Gemein­den, wurde 2010 als erste österreichische Landeshauptstadt zertifiziert und besitzt seit fünf Jahren den Status „eeee“. Vor diesem Hintergrund und im Rahmen der 2.000-Watt-Städteko­ope­ration im Boden­seeraum wurden schon zahlreiche wichtige Maßnahmen für den Klima­schutz gesetzt. Dennoch ist man sich einig: Selbst bei einer weltweiten Reduktion der Treibhausgasemissionen und wenn es tatsächlich gelingt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bis zum Ende der 21. Jahrhunderts auf einen angestrebten Wert zu begrenzen, muss eine entsprechende Anpassungsstrategie her, um die unvermeidbaren Auswirkungen des Klima­wandels zu bewältigen.

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