Klimawandel in Bregenz

Wenn wir weitermachen wie bisher, steigt die Anzahl der Sommertage um 100 % und die Anzahl der Hitzetage um 300 %!

Die Klimawandelanpassungsmodellregion (KLAR!) "plan b im Klimawandel" mit Projektleitung durch die Landeshauptstadt Bregenz beauftragte die ZAMG (heute GeoSphere Austria) für Bregenz und die Umlandgemeinden eine Klima-Analyse durchzuführen.

Ziel der Analyse ist es, zu erfahren, wie sich die Temperaturen in der Stadt bis zum Ende des Jahrhunderts entwickeln werden. Die Erkenntnisse dieser Analyse sind wichtig, um für künftige Planungen vor allem die Hitzeentwicklung („Hitzeinseln“) sichtbar zu machen. Damit können die richtigen Schritte im Sinne einer klimawandelangepassten Stadtentwicklung gesetzt werden.


Entwicklung der Sommertage

Die Anzahl der Sommertage variiert in den letzten 30 Jahren um mehr als 50 Tage, d.h. es gibt seenahe Bereiche, die im Mittel 12 Sommertage pro Jahr aufweisen und solche im Zentrum, die heute schon 65 Tage mit Temperaturen über 25 °C aufweisen. Für die Klimareferenzjahre der Zukunft 2055 und 2085 wurden jeweils zwei Szenarien modelliert:

Szenario moderater Klimaschutz: Es ist für jeden zukünftigen Zeitraum im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1991-2020 (2005*) ein deutlicher Anstieg bei den Sommertagen zu verzeichnen. Das moderate Klimaschutzszenario zeigt eine Stabilisierung bis Ende des Jahrhunderts, d.h. in der Klimaperiode 2071-2100 (2085*) mit ähnlichen Werten wie im Zeitraum 2041-2070 (2055).

Szenario weiter so wie bisher: Im Gegensatz dazu zeigt das Szenario weiter so wie bisher bis Ende des Jahrhunderts einen drastischen Anstieg der Sommertage im Vergleich zum aktuellen Niveau. So verdoppelt sich im Bregenzer Durchschnitt die Anzahl der Sommertage.

Nähere Infos zu den Szenarien gibt es unter "Wissenswertes zum Thema Klimawandel".

Das Klimareferenzjahr 1975*
Das Klimareferenzjahr 1985*
Das Klimareferenzjahr 1995*
Das Klimareferenzjahr 2005*
Moderater Klimaschutz 2055*
Weiter so wie bisher 2055*
Moderater Klimaschutz 2085*
Weiter so wie bisher 2085*

Sommertage sind Tage, an denen die maximale Lufttemperatur größer als 25 °C ist.
* Klimareferenzjahr


Entwicklung der Hitzetage

Die Bandbreite der Anzahl der Hitzetage liegt aktuell bei ca. 15 Tage, d.h. es gibt seenahe Bereiche, in denen im Mittel an 4 Tagen die Temperaturen über 30 °C ansteigen und solche im Zentrum die heute rund 20 Hitzetage aufweisen. Für die Klimareferenzjahre der Zukunft 2055 und 2085 wurden jeweils zwei Szenarien modelliert:

Szenario moderater Klimaschutz: Es ist für jeden zukünftigen Zeitraum im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1991-2020 (2005*) ein Anstieg bei den Hitzetagen zu verzeichnen. Das moderate Klimaschutzszenario zeigt eine Stabilisierung der Hitzetage bis Ende des Jahrhunderts, d.h. in der Klimaperiode 2071-2100 (2085*) mit nur unwesentlich höheren Werten wie im Zeitraum 2041-2070 (2055*).

Szenario weiter so wie bisher: Im Gegensatz dazu zeigt das Szenario weiter so wie bisher bis Ende des Jahrhunderts einen drastischen Anstieg der Hitzetage im Vergleich zum aktuellen Niveau. In Bregenz zeigt das weiter so wie bisher-Szenario eine beinahe 4-fache Zunahme der Hitzetage! Dabei liegt bei den Hitzetagen die Bandbreite innerhalb des Bregenzer Stadtgebiets aktuell bei ca. 15 Tagen. Das wird sich aber unter Annahme des weiter so wie bisher-Szenarios bis zum Ende des Jahrhunderts um mehr als 50 Tage verändern.

Nähere Infos zu den Szenarien gibt es unter "Wissenswertes zum Thema Klimawandel".

Das Klimareferenzjahr 1975*
Das Klimareferenzjahr 1985*
Das Klimareferenzjahr 1995*
Das Klimareferenzjahr 2005*
Moderater Klimaschutz 2055*
Weiter so wie bisher 2055*
Moderater Klimaschutz 2085*
Weiter so wie bisher 2085*

Hitzetage sind Tage, an denen die maximale Lufttemperatur größer als 30 °C ist.
*Klimareferenzjahr

Wissenswertes zum Thema Klimawandel
 

  • Als Wetter wird der Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt oder kurzen Zeitraum bezeichnet, wie er durch die meteorologischen Elemente und ihr Zusammenwirken gekennzeichnet ist (z.B. Regenwetter, hochsommerliches Wetter).
  • ⁠Das Klima⁠ beschreibt den mittleren Zustand der ⁠Atmosphäre⁠ an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Gebiet über einen längeren Zeitraum, der in der Klimaanalyse jeweils 30 Jahre umfasst (z.B. gemäßigtes Klima, pannonisches Klima).
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  • Erkennbar ist, dass jede Referenzperiode seit 1961 bis heute im Vergleich zur vorherigen eine Steigerung aller Klimaindikatoren (Sommertage, Hitzetage und Tropennächte) aufweist.

Kühlste und heißeste Regionen in Bregenz

  • Die kühlsten Regionen befindet sich tagsüber im Bereich des Pfänderhangs und am Ufer des Bodensees (kühlender Einfluss des Bodensees und des Pfänders).
  • Die heißeste Region fällt mit der Fußgängerzone in der Innenstadt und der unmittelbaren Um­gebung zusammen (Verstärkung des Hitzeeinflusses durch versiegelte Flächen und Gebäudemassen)
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Die räumliche Verteilung der Sommer- und Hitzetage sowie der Tropennächte bleibt ähnlich wie heute. Die heißesten Regionen inklusive Hitzeinseln werden in Bereichen von starker Versiegelung vorherrschen. Die kühlsten Regionen sind im Bereich des Pfänderhangs und des naturbelassenen Bodenseeufers zu erwarten.

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In die Stadtklimaanalyse fließen, neben den vorhandenen meteorologischen Messungen, auch die Daten der Landnutzung, der Topographie, der Bodenversiegelung, der Vegetation und der Gebäude ein. 

Auf deren Basis wurde an Hand von Simulationen für die Klimareferenzperioden 1961-1990 (1975*), 1971-2000 (1985*), 1981-2010 (1995*) und 1991-2020 (2005*) die relevanten Hitzebelastungsindikatoren wie Anzahl der Sommertage (Tmax ≥ 25 °C), Hitzetage (Tmax ≥ 30°C) und Tropennächte (Tmin ≥ 20 °C)  berechnet und das Stadtklima wurde in seiner räumlichen Struktur in einem 50 x 50 m Raster abgebildet. Die berechneten Modellwerte wurden mit Messwerten der ZAMG-Wetterstationen sowie der Temperatursensoren der Live-Hitzekarte der KLAR! plan b im Klimawandel geeicht.

Basierend auf den Simulationen für die Klimareferenzperioden wurden für die Zeiträume 2041-2070 (2055*) und 2071-2100 (2085*) die zwei Zukunftszenarien RCP 4,5 & RCP 8,5 berechnet.

*Klimareferenzjahr

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Der Begriff repräsentativer Konzentrationspfad (RCP) wird seit dem fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) zur Beschreibung von Szenarien für den Verlauf der absoluten Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre verwendet (Wikipedia).

Die Ziffern bedeuten den angenommenen Bereich des Strahlungsantriebs im Jahre 2100 (z.B. RCP 4,5 = 4,5 W/m²).

  • Der Absenkpfad RCP 4.5 simuliert nur moderate Klimaschutzanstrengungen, so dass der Höhepunkt der Treibhausgas-Emissionen um 2040 liegt und anschließend weitgehend stagniert.
  • Beim RCP 8.5-Szenario bezieht sich das "business as usual" (Weiter-so-wie-bisher) auf die Modellannahmen, dass die Klimapolitik unverändert fortgesetzt und damit einen kontinuierlichen Anstieg der Emissionen im 21. Jahrhundert aufweist. Der RCP 8.5 stellt damit das "Worst-Case" Szenario dar.
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