Kunstschätze im Stadtbesitz

Wir präsentieren einmal im Monat ein Kunstwerk aus dem städtischen Besitz. Live können die Kunststücke im Bürger:innenservice im Rathaus begutachtet werden. Viele Freude beim Entdecken „unserer“ Kunstschätze!
 

Kunstwerk des Monats Oktober:
"Appetitbuch" von Christian Ludwig Attersee

Christian Ludwig Attersee (eigentlich Cristian Ludwig, geboren 1940 in Pressburg) ist sicherlich jedem kunstinteressierten Menschen in Österreich ein Begriff,- und das nicht nur dank seines klugen Pseudonyms, das auf seine Segelleidenschaft und -erfolge verweist (Attersee war mehrmals österreichischer Staatsmeister). Seine Bekanntheit ist vor allem der Vielseitigkeit seines künstlerischen Schaffens geschuldet. Attersee machte sich nicht nur als bildender Künstler, sondern auch als Musiker, Schriftsteller, Objektmacher, Designer, Bühnenbildner und Filmemacher einen Namen. Er zählt heute zu den international bekanntesten österreichischen Malern und bedeutendsten Vertreter der gegenständlichen Malerei Europas der letzten 50 Jahre. Attersee lebt in Wien und am Semmering.

 

Nach Abschluss seiner Studien im Jahr 1963 an der Akademie für angewandte Kunst in Wien beteiligte Attersee sich zunächst an Veranstaltungen des Wiener Aktionismus, widmete sich aber mit seinen so genannten „Gegenstandserfindungen“ (oft erotisch inspirieret) auch immer mehr dem Genre „Pop Art“. In der zweiten Hälfte der 70er Jahre ist Attersee - bereits Gegenpol zum Wiener Aktionismus - Mitbegründer der „Neuen österreichischen Malerei“ und der sogenannten „Neuen Wilden“ in Deutschland. Aus dieser Zeit stammt auch das Werk „Appetitbuch“, dass wir Ihnen hier vorstellen. Wie bei vielen anderen Arbeiten Attersees der 1960er und 70er Jahre mischt der Künstler hier Gegenständliches mit Abstraktem und versetzt sie mit surrealen Elementen. Damit – und durch die zusätzliche Einbindung von Malerei, Zeichnung, Graphik, Sprache oder Fotografie – schafft Attersee farbenprächtige und lustvoll-verrückte Kunst. Die Themen seiner Bilder bezieht er gerne aus dem Alltag und der Konsumindustrie: vielfach geht es ums Essen und den Genuss. In Bildern mit Titeln wie „Servierlustkatze“ (1974), „Butterbrot mit Rehflocken“ (1974/75) oder dem hier vorgestellten „Appetitbuch“ (1976) kombiniert der Maler erkennbare, aber vielfach verzerrte oder entstellte Motive wie Lebensmittel, menschliche Körperteile, tierische Konterfeite und geometrische oder dekorative Formen miteinander zu surrealen, oft gruselig-skurril anmutenden Bilderwelten voll von Phantasie, Farbe und Ausdruckskraft.

Archiv

2022

Das Werk von Hubert Berchtold stammt aus seiner Serie der Stillleben mit Flaschen, die ab den 1960er Jahren entstand. Berchtold entwickelte dabei, zusammen mit der Insekten- und später der Etrusker-Serie, eine eigenständige Bildsprache, in der sich Figuratives und Abstraktes zu starkfarbigen Figuren und Raumgebilden zusammenfügt. Mit der für den Künstler typischen Flächigkeit des Bildes und der Berücksichtigung von Schatten setzt der Maler räumliche Akzente und schafft dynamische Kompositionen, die Gegenstände und Figuren in Bewegung zu setzen scheinen und auch das Interesse des Künstlers am menschlichen Körper vorwegnehmen.  

Als künstlerisches Thema sind seine Zusammenstellungen mit Flaschen vor einem mehrfarbigen Hintergrund neben dem Einfluss seines Lehrers Boeckl wohl auch durch die Reisen nach Ronda in Südspanien inspiriert, wohin ihn sein Malerkollege Heinz Greissing 1973 erstmals einlud. 1975 richtete sich Berchtold selbst ein Atelier in Ronda ein, in dem er neben seinem Wohnsitz in Bregenz zeitweise arbeitete. Die Beschäftigung mit der Landschaft Andalusiens brachte eine neue Hinwendung Berchtolds zu landschaftlichen Motiven, es entstanden zahlreiche Gouachen und Ölbilder. Neben der Malerei übernahm Hubert Berchtold auch zahlreiche Aufträge für den öffentlichen Raum und die Gestaltung von Glasfenstern für sakrale Räume vor allem in Vorarlberg.

Sein letztes großes Werk im öffentlichen Raum ist die Gestaltung des Festsaals des Vorarlberger Landhauses durch einen Bilderfries aus 51 Bildtafeln, in der er eine Art imaginärer Landschaft realisierte. 

Kurzbiografie Hubert Berchtold
Hubert Berchtold (1922-1982), geboren in Andelsbuch, Bregenzerwald. Studium bei Opsomer und Permeke in Antwerpen und an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Dobrowsky und Boeckl. Wichtige Studienreisen nach Südspanien, Frankreich, Nord-und Westafrika, Sizilien, Schweden und Israel. Lebte und arbeitete hauptsächlich in Bregenz und Südspanien (Ronda). Mehrere Ausstellungen im In- und Ausland. Als Künstler und als Persönlichkeit hat Hubert Berchtold die Vorarlberger Kulturlandschaft nach 1945 maßgeblich mitgeprägt.

schließen

Die Hinterfragung des Konzepts von Autorenschaft und der Idee des „Readymade“, sowie das Spannungsverhältnis zwischen Natur und Kunst bzw. zwischen Stillstand und Mobilität beschäftigen Gottfried Bechtold schon seit vielen Jahren. Künstlerische Experimente, bei denen Bechtold gegensätzliche Materialien und Funktionalitäten (Holz/Eisen, Beton/Automotor, Natur/Kunst, Stillstand/Mobilität, etc) zu neuen Formen zusammenschweißt, kennzeichnen das Werk des in Hörbranz und Bregenz lebenden Malers und Bildhauers.

Auch in dem Bild „Fundstück“ spielt der Künstler auf die Beziehung zwischen Autorenschaft und Objekt an und thematisiert die Idee des „objet trouvés“ als Kunstwerk. Aus zwei von Bechtold am gleichen Tag, aber an unterschiedlichen Orten gefundenen Teilen aus antagonistischen Materialien (ein großer Holzklotz, gefunden beim Sägewerk in Hörbranz, und eine kleinere dünne Eisenplatte, gefunden an der Werft in Fussach), konstruiert er mithilfe einer Schraube einen dritten Gegenstand, das „Fundobjekt“. Die Frage, die er damit zu beantworten scheint, ist: Werden zwei zufällig gefundene Objekte zur Kunst, wenn man sie „künstlerisch“ verbindet? Jedenfalls steht die Arbeit im Zeichen der Philosophie des Künstlers (die, wie er selbst sagt, von Marcel Duchamp inspiriert ist), „keine neuen Dinge der Welt hinzuzufügen, sondern Dinge miteinander zu kombinieren und in eine neue Ordnung zu bringen“ – und ist damit nebenbei auch eine Kritik am heutigen Turbokapitalismus und Credo des unaufhörlichen Wirtschaftswachstums.

Kurzbiografie Gottfried Bechtold
1947 geboren in Bregenz; Steinmetzausbildung in Hallein; Längere Aufenthalte in Great Britain, USA, Canada; 1973/74 Visiting Artist am Nova Scotia College of Art and Design in Halifax, Kanada; Visiting professor an der Cornell University, Ithaca, USA und der Karl-Franzens-Universität, Graz, Österreich; lebt und arbeitet in Hörbranz. Seit nun mehr als 50 Jahren beschäftigt er sich im Wesentlichen mit der Erweiterung des Kunstbegriffs, vor allem im Bereich des Skulpturalen.

Vom 20. Juli bis 2. Oktober 2022 und aus Anlass des 75. Geburtstags des Künstlers zeigt das Magazin 4 die Ausstellung „Taurus-Signatur 22“, in der die Signatur-Projekte von Gottfried Bechtold zum ersten Mal in ihrer Ganzheit dokumentarisch präsentiert werden. 

schließen

Stefanie Steinmayer ist eine 1966 in Augsburg geborene Künstlerin, die seit 1991 in Lindau ansässig ist. 1998 gründete sie dort das „Atelier Stefanie Steinmayer“, in dem sie neben Zeichnungen unter anderem auch Präge-Grafiken, Drucke und andere Geschenkartikel (Poster, Postkarten etc.) herstellt. Dabei arbeitet die Künstlerin mit handgeschöpftem Büttenpapier, welches bemalt, lackiert und vergoldet wird. Außerdem hat Steinmayer mehrere Kinderbücher illustriert, seit 2007 gestaltete sie in Zusammenarbeit mit Michael Weiss Künstler-Verpackungen für die Chocolaterie und Confiserie des Traditionsbetriebs “weber&weiss” in Friedrichshafen.

Das von der Stadt Bregenz angekaufte Bild „Das Sommerherz II“ von 1996 zeigt ein großes vergoldetes, rot eingerahmtes Herz umgeben von einem bunten Sammelsurium an fließenden Formen mit unterschiedlichen Mustern und Farben. Rechts unten könnte der nach gegenständlichen Inhalten suchende Betrachter ein paar Vogelfüße erkennen. Vielleicht trägt der Vogel der Liebe ein durch die Farben und Hitze des Sommers aufgehendes Herz?

schließen

Der deutsche Landschaftsmaler und Zeichenlehrer Hermann Rettberg (*1900 Darmstadt, † 1992 Bregenz) studierte ab 1924 Malerei und Zeichnung an der Akademie in Berlin. Anschließend arbeitete er als Lehrer an verschiedenen Schulen in Deutschland, aber auch in Bulgarien (Sofia) und in der Türkei (Istanbul). Angesichts des bevorstehenden Ausbruchs des 2.Weltkriegs musste Hermann Rettberg die Türkei verlassen und kam nach Wien, von wo aus er mit seiner Familie 1945 nach Vorarlberg flüchtete und sich im Bregenzer Wald niederließ. In der Folge unterrichtete er in Feldkirch und in Bregenz bis zu seiner Pensionierung 1966. Rettberg war auch Mitglied des Bregenzer Kunstvereins. 1992 starb der Maler in Bregenz. 2011 widmete ihm die Volksschule Mellau eine Sommerausstellung.

Rettberg malte vor allem Aquarelle, aber auch Ölbilder, die Motive waren dabei die See- und Berglandschaften um den Bodensee und im Bregenzer Wald. Seine Bilder tragen Titel wie „Blick auf die Kanisfluh“, „Hirsch“ ( ein neben Hirschkühen rufender Hirsch im dunstigem Licht des anbrechenden Tages), „Am Rhein-Holz bei Gaissau“, oder „Winterliches Uferstück am Bodensee mit Schilf und Möwen“. Seine Malerei ist dem Naturalismus verhaftet, die aber dennoch – wie auf dem hier vorgestellten Werk „Abend am Bodensee“ - durchaus poetisch wirken kann. Das Aquarell ist in wunderschönen warmen pastellfarbenen Braun- und Gelbtönen gehalten und zeigt ein Uferstück mit ins Wasser hineinragenden Landzungen, die im Hintergrund zu einer Schilf-Landschaft zerfließen.
 

schließen

Der Maler Georg Ligges (*1886 in Paderborn, Nordrhein-Westfalen; † in Bregenz 1944) studierte ab 1904 an der Kunstgewerbeschule in Köln, dann an der Akademie der Bildenden Künste in München (1910 - 1914 und dann wieder nach Kriegsende). Im 1. Weltkrieg schuf er als Soldat an der Westfront in Frankreich und Belgien ausdrucksstarke Bilder, die sich heute im Besitz des vorarlberg museums befinden und dort auch 2015 in einer dem Maler gewidmeten Schau gezeigt wurden. Studienreisen führten Georg Ligges nach Ostpreußen, Tirol und Italien. 

In künstlerischer Hinsicht bildeten die Reisen nach Ischia und Capri in den 1920er-Jahren wichtige Stationen. 1927 wurde er in Bregenz ansässig, wo er die Schwester des Malers Oswald Baer heiratete und in der Folge bis 1944 als Professor für Kunsterziehung am Bundesgymnasium in Bregenz tätig war. So hat er unter anderem spätere Künstler wie Herbert Berchtold gefördert. 1934 erhielt er den Staatspreis. 

Als begeisterter Freilichtmaler galt Georg Ligges besondere Aufmerksamkeit der Landschaft, zu seinen Hauptthemen zählte die Bodenseeregion. 

Das hier abgebildete Aquarell unbekannten Datums (vermutlich zwischen 1927 und 1944 entstanden), das sich im Besitz der Stadt Bregenz befindet, zeigt in Ufernähe liegende Segelboote. Im Stil der klassischen Moderne gemalt besticht das Aquarell durch seine Zartheit und Sensibilität in der Farbgebung und beim Lichterspiel im Wasser.

 

schließen

Helmuth Fetz (* 1928 in Thüringen bei Bludenz, † 2010 in Ried im Innkreis), war einer der bekanntesten Vertreter des phantastischen Realismus in Österreich. Er lebte in Wien und in Bregenz, wo er ab 1964 Gründungsmitglied des Bregenzer Kreises war (Mitglieder ua. Erich Smodics und Rudolf Zündel) und in der Folge die Galerie „Kunstlädele“ leitete. Durch die Begegnung mit den Werken der beiden in Bregenz arbeitenden Maler Rudolf Wacker und Herbert Reyl-Hanisch kam Helmuth Fetz mit der Neuen Sachlichkeit in Berührung und wurde in der Folge Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus sowie der naiven Malerei.

 

In dieser Tradition stehen auch die 12 Bilder des „Jahreszyklus“, die Helmuth Fetz zwischen 1969 und 1973 gemalt hat und die sich als Gesamtwerk im Besitz der Stadt Bregenz befinden. Im Herbst 2021 haben wir bereits das Bild „September“ vorgestellt, das eine für den phantastischen Realismus charakteristische Landschaft zeigt, die mit surrealen Elementen versetzt ist. Auch im hier präsentierten Werk „April“ bedient sich Fetz eines für die Neue Sachlichkeit charakteristischen Bildtypus – das „Fensterbild“: der Betrachter schaut wie aus einem Innenraum heraus durch ein geöffnetes Fenster in einen frühlingshaften Garten, in dem blühende Bäume und eine Holzhütte stehen. Zusätzlich baut der Maler mehrere phantastische Details in die Szene ein: Als dominantes Motiv im Vordergrund sieht man zwei Laden eines am Fenster stehenden Möbelstücks, auf dem der erste Fensterrahmen zu sitzen scheint, der den Blick in den Garten freigibt. Dahinter befindet sich ein weiterer größerer Fensterrahmen, der wie eine Erweiterung des ersten wirkt, jedoch teilweise durchbrochen ist von drei senkrecht verlaufenden breiten Balken, die eine Absperrung oder Barriere zur Außenwelt bilden. Ist der Blick ins Freie vielleicht nur eine Illusion?

Der im Hintergrund zart durchschimmernde Kirchturm (durch die charakteristische Fassade als Wiener Stephansdom identifizierbar) erscheint wie ein märchenhaftes Traummotiv einer fernen Stadt, die im Kontrast zur im Vordergrund gezeigten Natur steht.

schließen

Günter Gruber (*1947)

Günter Gruber, 1947 in Bregenz geboren, ist gelernter Lithograph und Graphiker, der mit Ende der 1960er Jahre zur Kunst kam und seit 1981 als freischaffender Künstler tätig ist. Seine ganz persönliche Sicht auf die Welt zeigt er in realistisch mitunter surrealistisch anmutenden Bildern. Hauptmotive sind vor allem der menschliche Körper, aber auch die Natur, vor allem Landschaften und Blumen-Stilleben. Das von der Stadt Bregenz angekaufte Bild „Magnolienstudie“ gehört zu seinem Frühwerk. Es zeigt eine Magnolienblüte in Tusche mit Aquarell laviert.  Die zarte Lichtgebung im Hintergrund kontrastiert mit den eher dunkel gehaltenen Knospen der Magnolie, die wie von einem Windhauch nach hinten bewegt werden. Auffällig ist die stark herausgearbeitete Verknöcherung des vorderen Astes, das als surrealistisches Detail etwa an eine Spinne oder ein Skelett erinnert. Auch später hat sich Gruber in seinen Arbeiten gerne mit dem Unbewussten und der Vergänglichkeit beschäftigt. 

Günter Gruber hat neben Ölbildern und lithographischen Arbeiten auch Federzeichnungen hervorgebracht. Einige dieser Zeichnungen zeigte der Künstler erstmals vor nur wenigen Jahren, im Oktober 2019, in der alten Seifenfabrik in Lauterach, die dem Maler bereits mehrere Ausstellungen gewidmet hat.

schließen

Werner Marxx Bosch (* Lustenau 1958)

Das Bild „Fraktalevolution F10“ (C-Print auf Leinwand, 151,5 x 101,5 cm, 2012) ist eines von 25 Werken, die der 1958 geborene Lustenauer Kunstschaffende und Galerist Werner Marxx Bosch im Rahmen seines Werkszyklus „Fractalmalerei“ im Jahr 2012 geschaffen hat. Die am Computer generierten Arbeiten, denen fraktale Algorithmen zugrunde liegen, entstanden aus der Beschäftigung des Künstlers mit der digitalen Welt und ihrer Entsprechung in der experimentellen Malerei, der sich Bosch seit bereits gut 15 Jahren vermehrt zuwendet. Während er zu Studienzeiten an der Universität für angewandte Kunst in Wien (beeinflusst durch seine Lehrer, allen voran Peter Weibel, Oswald Oberhuber und Wilhelm Cermak) weitgehend gegenständlich arbeitete, interessierte sich Bosch bald für die abstrakte Kunst und in der Folge für eine ganz neue Art der Produktion von computerbasierten Bildern. Die aus der Serie von 2012 entstandenen fraktalen Bilder werden zwar mithilfe von speziellen Computerprogrammen generiert, jedoch von Bosch individuell bestimmt, ausgewählt und künstlerisch weiterentwickelt. Das Resultat sind Farb- und Formvariationen, Farbcluster enormer Intensität, die von den Formen der Natur inspiriert sind und diese in digitale, zahlenbasierte Malerei übersetzt. Fraktale Erscheinungsformen (Wiederholungen einer bestimmten Struktur in sich selbst) finden sich häufig in der Natur (z. B. die Blätter von Farnen, die Röschen beim Romanesco-Blumenkohl,oder etwa die Verzweigungen unserer Blutgefäße).

In einem Interview im Frühjahr 2021 mit der VN-Heimat beschreibt Bosch sein Verständnis der computergenerierten Kunst so: „Mein Werkzeug ist der Computer. Ich kann am Computer Sachen machen, die ein Pinsel nicht fertig bringt [...]. Es ist für mich eine Entdeckungsreise. Ich will Bilder malen, die völlig unbesetzt sind. Mir geht es um den Sehprozess und darum, was es für neue Konstellationen gibt“. Der Vormarsch der Digitalisierung habe „die Entmachtung des Kunstwerks" möglich gemacht.

2014 und 2015 entstand eine weitere Serie von fraktalen Bildern in derselben Arbeitsweise mit dem Titel „Cosmic colours“. Die Bilder zeigte Bosch u. a. im Oktober und November 2021 in der von ihm selbst 2019 gegründeten „Galerie Villa Marxx“ in Lustenau. Arbeiten von Bosch sind auch in der von ihm gegründeten Galerie K12 in Bregenz zu sehen.

schließen

Man nannte ihn den letzten großen Malerfürsten. Der gebürtige Feldkircher, der seine Stadt und dessen Häuserreihen in unzähligen Ölbildern verewigte, war vor allem Maler, widmete sich u. a. aber auch der Grafik, der Denkmalpflege, der Fotografie und der Kunst am Bau. Seine Bauten, seine Aktivitäten als Restaurator (u. a. die mächtige Burg Albrechtsberg an der Grossen Krems in Niederösterreich, für dessen Restauration er die Goldene Verdienstmedaille für Denkmalpflege erhielt) und seine Arbeiten als Innenarchitekt finden sich in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südafrika. Die Portraitmalerei nach alter Schule erlernte Jussel 1931 bis 1935 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei  Prof. Hans Larwin; 1935 bis 1938 besuchte er die Meisterklasse bei Prof. Karl Sterrer. Ab 1938 und bis zum Kriegsausbruch lebte Jussel bereits als freischaffender Maler im Batschunser Schlösschen bei Rankweil. Stadtansichten, Landschaften und Portraits bilden die Hauptmotive seiner Malerei. Die Jahre des Zweiten Weltkriegs verbrachte er als malender Soldat im XVIII. Armeekorps in den hinteren Reihen, es entstanden Malereien in Frontentfernung.

Das hier vorgestellte Bild von 1945 „Blick vom Bregenzer Rathaus“ (Acryl auf Papier, 72 x 90cm) zeigt eine vom Krieg zerstörte, menschenleere Stadt mit zerbombten Häuserfronten. Im Gegensatz dazu charakterisieren sich die meisten seiner Arbeiten eher durch die Ausblendung der Schrecken des Krieges und stellen idyllische Szenen einer intakten oder vom Menschen gestalteten Naturlandschaft dar. Dadurch konnte Jussel vom Naziregime weitgehend ungestört arbeiten und an mehreren Ausstellungen währende der NS-Zeit teilnehmen (er erhielt in dieser Zeit auch mehrere Preise).

In den 1960er und 1970er Jahren bekam Eugen Jussel viele Aufträge als Portraitmaler (z. B. 1978 das Staatsporträt von Fürst Franz Josef von Liechtenstein). Im selben Jahr erhielt er eine Ehrengabe des Landes Vorarlberg, 1982 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 1987 wurde ihm von seiner Geburtsstadt Feldkirch der Ehrenring verliehen. Jussel starb 2007 in Lustenau.

schließen

2021

Das Bild „Maroniständchen“ des 2015 verstorbenen Vorarlberger Künstlers und akademischen Malers Edwin Lipburger passt wunderbar zur aktuellen Jahreszeit. Die filigranen Formen des Ständchens vor einem wunderbar gemalten Hintergrund in pastelligen Grau- und Rosatönen vermitteln eine zarte, aber auch kühle und verlassene Winterlandschaft. Umso größer ist die Sehnsucht nach warmen süßen Maronen, doch vom Maronibrater fehlt auf dem Bild jede Spur.

Der aus Lauterach stammende Künstler Edwin Lipburger ist vor allem durch sein Kunstprojekt „Kugelmugel“ zu einer Legende für subversive Kunst mit höchst humoristischem Charakter geworden. Hier eine kurze Zusammenfassung der skurrilen Geschichte von Lipburgers Kugel-Mugel-Republik: 
1971 stellte der Künstler eine 8-Meter-Durchmesser umfassende Kugel aus Holz auf eine von ihm erworbene Wiese im niederösterreichischen Katzelsdorf bei Wiener Neustadt. Das Konstrukt verstoß jedoch gegen die damalige Bauordnung des Landes NÖ, die runde Gebäude verbat. Lipburgers Einwand, dass seine Kugel doch nur einen „positiv konstant gekrümmten, zweidimensionalen Raum“ verkörpere, führte in der Folge zu einem höchst amüsanten mehrjährigen Rechtsstreit: als Reaktion auf die Drohung der Behörden, die Kugel abzureißen, ernannte Lipburger sein Kugelhaus 1976 kurzerhand zu einem eigenen Ortsteil namens „Kugelmugel“, zu dessen Bürgermeister er sich ausrief. Die Ortsgrenze markierte Lipburger mit mehreren eigens hergestellten gekrümmten Ortsschildern und einem Ortsschranken mit Wachposten. Als sich der Rechtsstreit mit den amtlichen Behörden zuspitzte, erklärte Lipburger seine Ortschaft weiters zu einem Bundesland, dann zur „Republik Kugelmugel“. 1979 wurde Lipburger schließlich aufgrund von „Anmaßung“ nach mehreren Verhandlungen zu einer Gefängnisstrafe von 10 Wochen verurteilt, dann aber von Bundespräsident Kirchschläger begnadigt, nicht zuletzt aufgrund sozialer Proteste und der medialen Berichterstattung. 1982 fand das Kugelhaus schließlich einen Platz im Wiener Prater und verkörpert dort nach wie vor eine Republik unter der Präsidentschaft von Sohn Nikolaus Lipburger. Rund 670 Menschen wurden bisher eingebürgert und sind Träger eines Kugelmugel-Passes. 

Edwin Lipburgers Widerstand gegen die Absurdität behördlicher Auflagen – der heute ebenso aktuell ist wie damals -  inspirierte eine ganze Kunstszene und gab Anlass zur sogenannten Kugelmugel-Kunst. So entstand etwa der Ortstafelblues, der dem 10.Bundesland Kugelmugel gewidmet ist oder die Serie der Kugelmugel-Briefmarken.

Die ganze Geschichte samt Illustrationen kann man hier lesen: www.kugelmugel.at


 

Franco Vaccari

„Kunsthäuschen“, Ausstellung in Echt-Zeit Nr. 26

Installation beim Kunsthaus, 1998

In den Sommermonaten 1998 veranstaltete der Bregenzer Kunstverein das Projekt „Kunst in der Stadt“, bei dem nicht nur Museen und Galerien, sondern auch der öffentliche Raum bespielt wurden. Der italienische Fotograph und Konzeptkünstler Franco Vaccari (1936 in Modena geborgen) nahm mit einer Installation teil: direkt neben dem Eingang des erst ein Jahr zuvor eröffneten hochmodernen Kunsthauses platzierte Vaccari als totalen Kontrast ein kleines, aus alten Holztüren zusammengebautes Häuschen und zierte dessen Fassade mit dem aus Leuchtstoffröhren produzierten Schriftzug „Kunsthäuschen“.

schließen

Das Bild „Maroniständchen“ des 2015 verstorbenen Vorarlberger Künstlers und akademischen Malers Edwin Lipburger passt wunderbar zur aktuellen Jahreszeit. Die filigranen Formen des Ständchens vor einem wunderbar gemalten Hintergrund in pastelligen Grau- und Rosatönen vermitteln eine zarte, aber auch kühle und verlassene Winterlandschaft. Umso größer ist die Sehnsucht nach warmen süßen Maronen, doch vom Maronibrater fehlt auf dem Bild jede Spur.

Der aus Lauterach stammende Künstler Edwin Lipburger ist vor allem durch sein Kunstprojekt „Kugelmugel“ zu einer Legende für subversive Kunst mit höchst humoristischem Charakter geworden. Hier eine kurze Zusammenfassung der skurrilen Geschichte von Lipburgers Kugel-Mugel-Republik: 
1971 stellte der Künstler eine 8-Meter-Durchmesser umfassende Kugel aus Holz auf eine von ihm erworbene Wiese im niederösterreichischen Katzelsdorf bei Wiener Neustadt. Das Konstrukt verstoß jedoch gegen die damalige Bauordnung des Landes NÖ, die runde Gebäude verbat. Lipburgers Einwand, dass seine Kugel doch nur einen „positiv konstant gekrümmten, zweidimensionalen Raum“ verkörpere, führte in der Folge zu einem höchst amüsanten mehrjährigen Rechtsstreit: als Reaktion auf die Drohung der Behörden, die Kugel abzureißen, ernannte Lipburger sein Kugelhaus 1976 kurzerhand zu einem eigenen Ortsteil namens „Kugelmugel“, zu dessen Bürgermeister er sich ausrief. Die Ortsgrenze markierte Lipburger mit mehreren eigens hergestellten gekrümmten Ortsschildern und einem Ortsschranken mit Wachposten. Als sich der Rechtsstreit mit den amtlichen Behörden zuspitzte, erklärte Lipburger seine Ortschaft weiters zu einem Bundesland, dann zur „Republik Kugelmugel“. 1979 wurde Lipburger schließlich aufgrund von „Anmaßung“ nach mehreren Verhandlungen zu einer Gefängnisstrafe von 10 Wochen verurteilt, dann aber von Bundespräsident Kirchschläger begnadigt, nicht zuletzt aufgrund sozialer Proteste und der medialen Berichterstattung. 1982 fand das Kugelhaus schließlich einen Platz im Wiener Prater und verkörpert dort nach wie vor eine Republik unter der Präsidentschaft von Sohn Nikolaus Lipburger. Rund 670 Menschen wurden bisher eingebürgert und sind Träger eines Kugelmugel-Passes. 

Edwin Lipburgers Widerstand gegen die Absurdität behördlicher Auflagen – der heute ebenso aktuell ist wie damals -  inspirierte eine ganze Kunstszene und gab Anlass zur sogenannten Kugelmugel-Kunst. So entstand etwa der Ortstafelblues, der dem 10.Bundesland Kugelmugel gewidmet ist oder die Serie der Kugelmugel-Briefmarken.

Die ganze Geschichte samt Illustrationen kann man hier lesen: www.kugelmugel.at


  schließen

tOmi Scheiderbauers Arbeit „Edward Snowden – Post-it-war“ von 2014 ist eine Hommage an den amerikanischen Whistleblower und ehemaligen Mitarbeiter der CIA, Edward Snowden und dessen Schicksal.

„Dass Edward Snowden, der 2013 der Weltöffentlichkeit mitteilte, welch monströse, hyperparanoide und gegen alle demokratischen Regeln verstoßende Überwachungsmaschinerie die nordamerikanischen Geheimdienste unterhalten, dass dieser für die politi-sche Weltbühne so wichtige Mensch immer noch im Exil in Moskau festsitzen muss, ist ein himmelschreiender Skandal ohnegleichen“ sagte der Künstler kürzlich in einem Statement über sein Werk und bringt damit klar seine Wut zum Ausdruck, die ihm auch heute noch, acht Jahre nach dem NSA-Skandal, in den Knochen sitzt. Vom medialen Aufschrei von damals ist heute kaum mehr etwas zu hören –  aus den Medien aus dem Sinn. So läuft es in unserer nachrichtenübersättigten Welt. Den mutigen Aufdecker aus seinem Archivschatten wieder ins lokale Bewusstsein zu heben und daran zu erinnern, dass man alles tun müsse, um ihn endlich aus der Isolationshaft seines Exils zu befreien, ist tOmi Scheiderbauer damals wie heute ein Anliegen.

Als Model für das 2 x 4 Meter hohe Portrait diente dem Künstler ein Foto von Snowden vor einem Siegel, das ihn lachend (Frontansicht) und von hinten (als Spiegelbild) zeigt. Das Bild ist aus 3200 handelsüblichen Post-it’s zusammengesetzt. tOmi Schneiderbauer sagt dazu: „Die Idee gefiel mir, weil diese einfachen, in allen Büros genutzten selbstklebenden Zettelchen ein trivialer, aber sicher ein wichtiger Gebrauchsgegenstand in der NSA ist und vermutlich tonnenweise verwendet wird.“ Wie „pixels“ ergeben die Post-it’s zusammengenommen ein Bild gerade jenes Mannes, der es gewagt hat, uns die skandalöse Wahrheit über „big-data“ zu enthüllen.

Ausgestellt wurde das Werk erstmals 2014 im Rahmen der Ausstellung Y-land (in Zusammenarbeit mit Stefan Kainbacher) in der Galerie c-art in Dornbirn. tOmi Scheiderbauer bespielte damals unter anderem einen ganzen Raum mit weiteren drei Portraits amerikanischer Prominenter („the American Chamber“).

Kurzbiographie:
Thomas „tOmi“ Scheiderbauer (*1961 Hard), ist ein österreichischer interdisziplinärer Foto-, Grafik- und Kontext-Künstler, Kurator und Produzent. Er lebt in Lecce und in Bregenz.
Seine Projekte drehen sich überwiegend um die Frage nach dem Ursprung von Ideen bzw. dem Wesen von Spontanität und Intuition. Zentral erscheint dabei ein relationaler, partizipativer und empathischer Kunstbegriff. “A real Artist is Partist”.
Link zur gesamten Biographie des Künstlers.

Übrigens: tOmi Scheiderbauer ist gegenwärtig im Magazin 4
Seit 17. September und noch bis zum 17. Oktober 2021 kann man tOmi Scheiderbauer im Magazin 4 erleben (https://kreissaal.jetzt/). Im Rahmen seines Projektes „KREISSAAL, das gemütliche Parlament“ diskutiert der Künstler mit Freund:innen über die Frage „Brauchen und wollen wir (viel) schönes Geld?“. Wobei er damit natürlich (viel) mehr schöne Projekte in einem viel weiter gedachten Kunstbegriff meint, wie es herkömmliche Kulturbudgettöpfe und deren Statuten erlauben.

Öffnungszeiten: Mi & Do: 9 – 12 Uhr & 14 – 18 Uhr; Fr, Sa & So. 9 -12 & 14 -23 Uhr
 

schließen

„September“ (1969 bis 1973 in Wien) stammt aus der Serie „Jahreszyklus“ und zeigt eine an der charakteristischen Perfektion des phantastischen Realismus angelehnte Landschaft im Stil der Alten Meister, versetzt mit surrealen Elementen. Während Wiese und Büsche in herbstlichem Licht golden leuchten, kann man die bis in den Himmel verlaufende Straße in gespiegelter Symmetrie als Symbol für das ewige Licht und die Unendlichkeit deuten, aber auch als Sinnbild der Sterblichkeit und Endlichkeit des Lebens auf der Erde. Diese Straße gleicht einer Sanduhr, die uns vor Augen führt, dass die Lebenszeit langsam, aber stetig und unausweichlich verrinnt. Optimisten und alle, die an die Wiedergeburt glauben, werden indes wahrscheinlich den Weg von unten nach oben als eine Entwicklung vom irdischen Leben ins göttliche Licht verstehen. Interessant sind auch die Brücke und der Bogen als architektonische Strukturmittel für einen geometrischen Aufbau des Bildes.

Der Vorarlberger Künstler Helmuth Fetz, 1928 in Thüringen bei Bludenz geboren und 2010 in Ried im Innkreis verstorben, war einer der bekanntesten Vertreter des phantastischen Realismus in Österreich. Nach der Meisterschule für Dekorationsmalerei, beschäftigte sich Fetz immer mehr mit der Malerei. Seit 1964 war er Gründungsmitglied des Bregenzer Kreises, dem unter anderen auch Erich Smodics und Rudolf Zündel angehörten. Nach einigen Jahren in Wien leitete er in Bregenz die Galerie "Kunstlädele". Die Kunst von Rudolf Wacker und Herbert Reyl-Hanisch bewegten Fetz dazu, sich mehr mit der Neuen Sachlichkeit zu beschäftigen. In weiterer Folge wurde er Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus sowie der naiven Malerei.
1988 wurde Helmut Fetz in die Innviertler Künstlergilde aufgenommen. Ein Jahr verließ der Vorarlberger Bregenz, um im Innviertel seine Kunst fortzuführen.
Bekannt wurde Helmuth Fetz vor allem durch seine Landschaftsbilder, seine Stadtansichten, die er am Bodensee und später im Innviertel malte, sowie durch seine Porträts von Vorarlberger und Innviertler Persönlichkeiten.
Neben der Ölmalerei widmete sich Helmuth Fetz auch der Radierung. Er schuf in dieser Technik die vier Zyklen „Winter am Bodensee“, „Dornbirner Veduten“, „s‘ Wälderbähle“ und als Referenz für seine neue Heimat „Innviertler Städtebilder“.

schließen

Ein Sammelsurium an Fundstücken, die beim Bau des Bregenzer Festspielhauses zwischen 1977 und 1980 ans Tageslicht befördert wurden, hat der Künstler Peter Adrian Larcher in drei verglasten Holzkästen arrangiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Seit Jahren oder teilweise Jahrzehnten ruhten in der Baugrube Gegenstände, die vom Banalen wie Glas- und Keramikscherben über Alltägliches wie einer blauen Flachzange bis zum Kuriosen wie Knochenteilen oder Türaufhängern reicht. Auch Handschuhe und Aschenbecher finden sich in dem an einen Setzkasten erinnernden Kunstwerk, in dem Larcher mit viel Gespür für Ästhetik aber auch mit einem Augenzwinkern diese Zeitzeugnisse verschiedenster Epochen zu einem kuriosen Gesamtkunstwerk zusammenfügt.


Biografie
Peter Adrian Larcher wurde 1955 in Lauterach geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Kunst in Wien und lebt und arbeitet in Innsbruck. Er ist Mitglied der Berufsvereinigung Bildender Künstler Vorarlbergs in Bregenz und der Tiroler Künstlerschaft. Im Palais Thurn und Taxis wurden seine Werke bereits zwei Mal ausgestellt: 1979 "Weil ich W. Nasenhaar kannte" und 1988 "Der mehrtittige Deutel ist es nicht allein".

 

schließen

In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren entwickelte Karl-Heinz Ströhle eine Serie von „Streifenbildern“, die eine wichtige Rolle in seinem Werk einnehmen. Als erste bedeutende Phase der Abstraktion des Künstlers nahmen die Streifenbilder gleichzeitig seine Entwicklung der Linie und der für Ströhle so charakteristischen „Blubbs“ vorweg. Ströhle bezeichnete seine Streifenbilder als „Einstieg in die raumgestaltende Wandmalerei“.

Als immer wiederkehrendes gestalterisches Mittel bilden die Streifen auch eine Konstante im Schaffen des Künstlers. Besonders in seinen Kunst-am-Bau Arbeiten griff Ströhle immer wieder auf die Streifen zurückgriff, so auch bei der Gestaltung des Baunetzes auf der Baustelle des Vorarlberg Museums in Bregenz 2012. In einem Gespräch mit Ingrid Adamer sagte Ströhle über seine „Verhüllung“ des Vorarlberg Museums: „Die Streifen wirken in dieser Größe und Dimension wie ein riesiger Vorhang. Nach dem „Fall“ des Vorhanges wird man sehen, ob das Versprechen – man werde der zeitgenössischen Kunst in Vorarlberg im neuen Landesmuseum eine Heimat bieten – eingelöst worden ist. Die auf den ersten Blick rein formale Arbeit ist als kulturpolitisches Statement gedacht“.

Mehrere Bilder der 1990er Jahre mit dem Titel „Gap“ zeigen wieder vertikal angeordnete Streifen, die die Leinwand in schwarze und weiße Segmente fragmentiert und damit Zwischenräume freigibt. In späteren teils großformatigen Bildern (Ohne Titel, Inkjet auf Leinwand) erscheinen die Streifen wieder enger angeordnet, die starke ästhetische Wirkkraft entsteht durch die unregelmäßige Anordnung und Breite der Streifen und deren Kapazität, „eine Wand oder einen Raum zu gliedern, zu füllen oder zu rahmen, den Blick zu fokussieren oder zu zerstreuen, zwischen großen und kleinen Dimensionen zu vermitteln.“ (Vitus Weh im Katalog „Karl-Heinz Ströhle, Ornament und Aformation, Otten Kunstraum, S.42)


Biografie
Karl-Heinz Ströhle, geboren 1957 in Bregenz, studierte am Mozarteum in Salzburg und bei Bazon Brock an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Dort hatte er auch einen Lehrauftrag und habilitierte 2014 im Fach Bildhauerei. Auslandstipendien in Paris und Tokyo sowie Preise – zuletzt der Konstanzer Kunstpreis 2016 – honorierten seine künstlerische Arbeit. Im August 2016 verstarb Karl-Heinz Ströhle im Alter von 58 Jahren überraschend auf einer Wanderung im Silvretta-Gebiet.

Als Zeichner, Maler, Performance-, Objekt- und Medienkünstler gehört sein Werk zu den interessantesten und wichtigsten künstlerischen Positionen Österreichs. Seine Arbeit changiert zwischen dem Konzeptionell-Konkreten und dem Spielerisch-Intuitiven, zwischen einer klaren, von der Linie ausgehenden Formensprache und dem schwingenden Impuls des von ihm präferierten Materials Federstahl. Die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum durch zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte ist wichtiger Bestandteil seiner Arbeit und vermittelt am deutlichsten die soziale und politische Dimension seines Oeuvres. 

schließen

„Vivida Tellus“ (lat. lebendige Erde) ist - wie die meisten Bilder von Ilse Konrad - das Produkt einer Reise: vor knapp 10 Jahren unternahm Konrad mit einem befreundeten französischen Fotografen eine Reise durch Nordspanien auf den Spuren von Salvador Dalí. Die Eindrücke dieser Reise, die Konrad als ungeheuer intensiv und kraftvoll beschreibt, verarbeitet die Künstlerin nach ihrer Rückkehr nach Österreich in ihrem Zyklus „rote Bilder“, der auch in einem in rotem Leinen gefassten Buch Platz gefunden hat.

Die starke Farbgebung des Bildes, das (wie der Titel verrät) „energiereiche lebendige Erde“ darstellt, ergibt sich nicht zuletzt aus der für Konrad typischen Arbeitsweise: die „Anteigung“ der Farben und Farbmischungen stellt Ilse Konrad selbst her aus den in ihren Reisen gesammelten und mitgebrachten Elementen (Sand, Erde, Steine, etc.), die sie ua. mit Leinöl zu Farben vermischt. Im Fall von Vivida Tellus ist es Eitempera.

Ilse Konrad ist eine reisende Malerin und eine malende Reisende. Ihre „Studienreisen“, wie Konrad sie nennt, führten sie bereits in (fast) alle Teile der Welt. Das Skizzenbuch ist dabei ihr wichtigster Begleiter und bildet im Folgenden die Basis für ihre Bilder. Konrad: „Auf meinen vielen Studienreisen habe ich Auge und Hand geschult, nur das Wesentliche zu begreifen und festzuhalten, alles Überflüssige abzutun, um den Kern der Dinge zu erfassen“.

Mit ihrem Mann reiste Konrad mehrere Male in die Wüste. So entstand in den 1990er Jahren eine Serie von Wüstenbildern, in denen Konrad auch das Thema Flucht verarbeitet.

Ilse Konrads Bilder sind abstrakt, dennoch betont die Malerin die Bedeutung der Zeichnung -  Linie, Strich und Duktus – nicht nur für ihre eigene Arbeit, sondern auch als zu beherrschendes Handwerk für jede Form der bildenden Kunst.


Biografie
Ilse F. Konrad, 1940 in Wien geboren und in Bregenz aufgewachsen, studierte an der Kunstakademie in Paris, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Bregenz und war hier auch über Jahre hindurch als Kunsterzieherin am Privatgymnasium Sacré Coeur (Riedenburg) tätig. Stipendien führten sie u. a. nach Rom und Chios, zahlreiche weitere Reisen in viele Länder der Welt waren unablässige Inspirations-Quellen für ihre Bilder. Ilse Konrad erinnert sich: „Malerische Weltreisen, Seehunde auf Galapagos, Himba-Frauen in Namibia, Häuser am Vulkan in Lanzarote, Chiosblau und erdiges-braunes Afrika….“.

Intensives Empfinden überträgt die Künstlerin in kraftvollen und rhythmisch verlaufenden Bewegungen auf die Leinwand: „Meine Bilder zeigen eruptive Formen und Gesten. Haptisch bis zur beginnenden Dreidimensionalität modelliert, wollen sie intensive Geruchs-Gefühls-Gehör-Erlebnisse erzeugen. Das Malen-Müssen, das dynamische Farb-Bekennen bricht förmlich aus mir heraus“. Der –raison du coeur- (Pascal) gibt Konrad Ausdruck, indem sie die gestalteten Handlungen „vom Bauch aus“ schafft.

Werke der 81-jährigen Künstlerin sind momentan in nicht weniger als vier Ausstellungen zu sehen: Künstlerhaus Thurn und Taxis - Mitgliederausstellung „An Vogel“ (noch bis 27.Juni); Galerie Art House - „Frauenpower“ (bis 3.Juli), Rohnerhaus – „Flucht“ , und Buchhandlung Brunner (Schaufenstergalerie).


 

schließen

Das Werk „Lo Mazzarino Tile Certificato“ ist eine der 14 Fliesen der Serie “Lo Mazzarino” des Künstlers Uwe Jäntsch.  Die aufwendig handgemachten Fliesen stellte der Künstler Uwe Jäntsch 2019 in der Fliesenmanufaktur KARAK in Bludenz mit der Raku-Technik her. Die Fliesen „Lo Mazzarino Tile Certificato“ stehen in engen Zusammenhang mit seiner Zeit in Sizilien, Palermo. Dort lebte und arbeitete Uwe Jäntsch von 1999 bis 2018. Der leerstehende, verfallene Palazzo Lo Mazzarino an der Piazza Garraffello im historischen Stadtteil Vucciria aus dem 16. Jahrhundert diente dem Künstler als Atelier bis er es 2018 nach endlosen Auseinandersetzungen mit den italienischen Behörden räumen musste. 

Uwe Jäntsch: „Der Palazzo lo Mazzarino war das erste Gericht der Stadtgeschichte und meine umgewandelte fiktive „banca nazion“. In dem obersten Stock installierte ich das „stanza di compensazione“, der Hauptraum der Bank, indem wir mit vielen Besuchern eben über verschiedene Dinge verhandelten, die so angefallen sind zu der Zeit. Diesen Raum stattete ich mit einer Rosendecke aus. Der Raum hatte auch Bodenfliesen aus dem 16. Jahrhundert. Bei meinem Abgang 2018 übermalte ich die komplette Freske mit schwarzer Farbe vor der Presse, um keinen Spekulations-Boomerang in Zukunft zu haben. Dafür stellte ich bei der Fliesenmanufaktur Karak in Bludenz ein Jahr später 14 aufwendig handgemachte Fliesen mit der bekannten Raku-Technik her. Sie sehen so aus, als ob sie von der Decke gefallen sind. Die Blumen sind das Symbol von einer starken Bindung von 20 Jahren zwischen mir und Palermo. Sie blühten auf den Ruinen auf der Schattenseite unserer Gesellschaft. Die Blumen der Lo Mazzarino Tiles kommen aus dem Ofen und blühten unter 900°C auf.“
 


Biografie
Uwe Jäntsch, geboren 1970, Vorarlberger Kunstschaffender, zur Zeit ohne festen Wohnsitz. Sein Werk umfasst sog. Eingriffe mit Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation, Performance und Filmkunst. Jäntsch ist bekannt für außergewöhnliche Aktionen oder Eingriffe, wie er sie nennt. Meist sucht er sich dafür Orte aus, die – im öffentlichen oder halb-öffentlichen Raum gelegen – in Vergessenheit geraten sind oder absichtlich ignoriert werden. So bespielte Jäntsch etwa in Palermos Altstadt die Ruinen mehrerer Palazzi, er kandidierte in einer sizilianischen Kleinstadt als Bürgermeister mit falschem Bart und Plastikblumen, und er überarbeitete das stillgelegte Bahnhofsareal des Orientexpress in Venedig mit Logos von Weltmarken.

Auf Palermos Piazza Garrafello richtete er ein Freilichtmuseum für seine Installationen ein. Mit zahlreiche künstlerische Interventionen machte er auf den Verfall des Palazzo lo Mazzarino aufmerksam, der exemplarisch für den Verfall der historischen Substanz des gesamten Stadtteils ist und die damit zusammenhängenden Immobilienspekulationen. Jäntsch wurde mehrmals von der Stadt angezeigt und angeklagt bis er 2018 das Gebäude räumen musste. Bis heute wurde der Palazzo nicht saniert. 
www.costanzalanzadiscalea.it

 

schließen

Das Bild o.T. (Gouache auf Papier) aus dem Jahr 1985 gehört zu den frühen Werken von Alfred Graf. Es muss noch während oder kurz nach seiner Akademiezeit in Wien entstanden sein.

Beim Betrachten des Bildes spürt man eine starke Dynamik, die einen ins Bild hineinzieht: aus einem feuerreuten Hintergrund heraus erscheinen durch dunkelblaue Konturen angedeutete menschenähnliche Figuren, die von geschwungenen nach hinten gezogenen Linien wie in einem Sog weggezogen werden. Von rechts her scheinen ebenfalls Figuren mit langen ausgestreckten Armen nach ihnen zu greifen. So stelle ich mir ein modernes Abbild des Purgatoriums vor, oder – im heutigen Kontext der Flüchtlingsbewegungen- die Szene einer verzweifelten Rettung von schiffsbrüchigen Migranten auf einem untergehenden Boot.

Biografie Alfred Graf:

Geboren 1958 in Feldkirch; 1979 Akademie der bildenden Künste, Wien; 1985 Theodor Körner Preis, zahlreiche Arbeitsstipendien, Preise, Symposien, Auslandsaufenthalte, Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen; Kunst im öffentlichen Raum; seine Bilder befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen und sind in vielen Katalogen erschienen. Lebt in Wien.

Im gegenwärtigen Schaffen von Alfred Graf spielen vor allem die Natur und die verschiedenen Materialien, die sie bietet, eine wesentliche Rolle. Viele Arbeiten von Graf sind Ausdruck der Reflexion über die Prozesse und Veränderungen der Natur, die diese stetig durchläuft: der Künstler erforscht bildnerisch Sande, Sedimente, Erden und Gesteine, Wachse und Harze, untersucht und reproduziert ihre Strukturen, Reliefs, transluzente Eigenschaften und geologische Vielfalten, er macht Gesichts- und Köperabdrucke im Sand und produziert damit Masken und Formen. Graf: „Ich setze die Arbeiten auch immer wieder ganz bewusst dem Wetter aus und so entstehen bei den Materialien oft interessante Veränderungen.“

Franzobel schreibt über Graf: "Manche Bilder von Alfred Graf wirken tatsächlich so, als kämen sie aus dem Inneren der Erde. Sie haben etwas Dunkles, Tiefes. Andere wieder sind wie eine Ursuppe. Auf manchen stehen Wörter oder Steine, Einschlüsse, Falten, Aufwürfe, Geäst und Landkarten, Brandspuren, Hautkrankheiten, Kriegsbemalungen archaischer Völker, surreale Landschaften Max Ernsts, Gesteinsformationen, Spuren von Flüssigkeiten, Bachbette, große Vergrößerungen von Insekten oder Pflanzen, versteinerte Tiere, erfundene Inseln, Mondgebirge, Galaxien, verblichene Bilder und noch viel mehr. In Alfred Grafs Arbeiten steckt die ganze Welt. Und wirklich lesen sich die Titel der Bilder wie Stationen einer Reiseroute eines lebenslangen Arbeitsurlaubs. Es handelt sich um Annäherungen an Orte. Orte, deren Mittelpunkt doch derselbe ist."

schließen

Das Kunstwerk „7 Nächte des Prinzen Jussuf in Jerusalem“, das die 1983 in Bregenz geborene Künstlerin Katherina Olschbaur selbst als „philosophisches Projekt“ bezeichnet, entstand während eines
4-monatigen Stipendium-Aufenthaltes der Künstlerin in Israel. Es besteht aus einem Foto, in dem die junge Künstlerin sich selbst als „Prinz Yussuf II“ inszeniert, einer Karte, in der in Bleistift die 7 Schauplätze des Projekts eingezeichnet sind, und 7 dazugehörigen Zeichnungen.In der Arbeit nimmt Katherina Olschbaur Bezug auf Else Lasker Schülers Werk, in welchem die Schriftstellerin das fiktive Land Theben als Sehnsuchtsort Heimat entwarf.
Else Lasker-Schüler selbst wurde jedoch eine wirkliche Heimat verwehrt. Sie lebte auch in ihrem letzten Aufenthaltsort Jerusalem bis zuletzt im Exil. Katherina Olschbaur findet sich in ihrem Projekt selbst in der Rolle des „Yussuf II“ wieder, der im zerrissenen Jerusalem auf der Suche nach Heimat und Geborgenheit und nach Frieden ist. Sie verwendet die Hotelzimmer als Bühne. Jedes Zimmer ist Schauplatz eines rauschenden Festes. (Quelle: Pressetext Lisi Hämmerle anlässlich der Ausstellung Yussuf/Cermak in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz 2007).

Katharina Olschbaur selbst zu ihrer Arbeit:
Während meines Aufenthalts in Jerusalem wohne ich in Hotels im östlichen wie im westlichen Teil der Stadt. Ich fotografiere die einzelnen Hotelzimmer, in denen ich übernachte, und sammle Abbildungen von Zimmern in bekannten und teuren Hotels, in denen ich selbst nicht gewohnt habe.

Die Serie „Die sieben Nächte des Yussuf“ besteht aus sieben Objekten, die jeweils eine Nacht in einem Hotelzimmer darstellen ... das philosophische Projekt beschreibt ein Leben im Exil, in dem die Räume immer provisorisch bleiben. Die 7 Leben des Prinzen Yussuf sind also jeweils Dokumente oder Entwürfe von 7 Nächten in den besten und teuersten Hotels, die nicht umsonst dream resorts genannt werden.
Der Traum einer Heimat erfüllt sich immer nur für eine Nacht, in der gefeiert wird, als ob es die einzige und letzte Nacht des Lebens wäre. Sie sind Dokumente eines Lebens, das sich unmittelbar preisgibt und erfüllt, weil es keine andere Sicherheit kennt. “
Zur technischen Ausgestaltung schreibt die Künstlerin: „Die Zeichnungen sind im Siebdruckverfahren auf Glas gesetzt und in einem Metallrahmen gefasst. Sind die Bilder von vorne beleuchtet, fallen die Linien der Zeichnung als Schatten auf den Hintergrund, die Hotelzimmer als Bühnen der Geister. Das achte Bild aus der Serie zeigt einen gezeichneten Stadtplan, in den die Standorte der einzelnen Hotels eingetragen sind. So spannt sich darauf ein Netz, das sich örtlich und zeitlich über die Stadt legt und die politischen Grenzen und Abtrennungen der Stadt durchkreuzt.“

Katherina Olschbaur
1983 in Bregenz am Bodensee geboren
2001 Studium an der Universität für Angewandte Kunst, Wien; Malerei bei C.L.Attersee und Johanna Kandl; Bühnen- und Filmgestaltung bei Bernhard Kleber
2005 Auslandssemester Wimbledon School of Art, London
2006/2007 viermonatiger Aufenthalt und Stipendium in Tel Aviv, Jerusalem, Israel; mehrere Ausstellungen und Teilnahme an Filmfestivals

schließen

Hasso Gehrmann (*1924 in Weißenfels, Deutschland, † 2008 in Bregenz) studierte Kunst und Philosophie in Heidelberg bei Karl Jaspers.
Er lebte zunächst in Frankfurt, später und bis zu seinem Tod in Bregenz. Er war bildender Künstler, Philosoph und erfolgreicher Industrie-Designer mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. Kurz vor seinem Tod 2008 würdigte ihn das Bregenzer Magazin4 und die Bregenzer Galerie art contemporary mit einem mehrteiligen Ausstellungs-, Film- und Theorieprojekt.

Die Schrecken des Krieges und seiner Anstifter machte Hasso Gehrmann zum Suchenden nach einem besseren Verständnis der Menschen und der Steuerbarkeit der Gesellschaft.
Gehrmann entwickelte als Mitarbeiter von AEG, später als Chefdesigner von Electra Bregenz zahlreiche Wohn-Konzepte und Haushalts-Geräte wie den Bestseller-Staubsauger (Vampirette), einen Haartrockner (Fön), oder den AEG-Deluxe-Herd.
Große internationale Aufmerksamkeit erlangte seine 1969 konzipierte „vollautomatische Küche“ (auch Gehrmann-Küche genannt).

Begrüßung
Während es über sein Bild „Begrüßung“ kein Statement des Künstlers gibt (es also jeder für sich „lesen“ möge), möchten wir hier einen Ausschnitt des Textes bringen, den Hasso Gehrmann zu seiner vollautomatischen Küche verfasst hat und der sein künstlerisches Bestreben, aber auch seinen philosophischen Ernst und seinen Sinn für Humor bestens zum Ausdruck bringt:

„1965 begann ich in Bregenz endlich mit der Konstruktion einer „Totalen Wohnung“ (so der Arbeitstitel des Projekts). Die Aufhebung der starr fixierten Zimmer-Zellen und der Gebrauch von Dreh- und Liftmechanik erbringen hier auf 80 m² Fläche 120 m² Wirkungsgrad. Die Idee meines Wohnelemente-Baukastens wird vom Sektor Küche am ehesten veranschaulicht. Dort bedient die Hausfrau oder der Hausmann wie ein Klavierspieler mittels Fußpedalen, Tasten und Bildschirms eine frei im Raum stehende Skulptur namens Küche. Vermittels ihrer Lifthydraulik zur Rechten und dem Gerätekarussell zur Linken liefert sie dem Kochkünstler alles momentan Gewünschte zur Hand.
Ohne ein einziges Mal aufstehen zu müssen, ist jedes Kochkünstlerspiel machbar. Dabei kann am rechtsseitigen Esstisch bereits serviert werden. Die Küche mutiert hier quasi vom „größten Arbeitsplatz der Welt“ zum „größten Atelier“.[...]
Im Grunde genommen entwickelte ich mit diesem Wohnprojekt eine intelligente Maschine, die sich jedoch nicht selbst genügt, sondern allenthalben zum Instrument für die allfälligen Ich-und-Du-Spiele wird. Wie später noch in meiner Bi-Logik-Theorie3 ersichtlich werden sollte, mündet die vollkommene objektive Logik schlussfolgernd in eine übergreifende Subjektivität ein.“

schließen

Kulturservice

Bergmannstraße 6
6900 Bregenz